Franks SchreibBlog
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Nachfolgender Brief an den Hörerservice von Deutschlandradio Kultur ist eine Reaktion auf ein Radiogespräch mit Prof. Heiner Bielefeldt zum Thema Beschneidung, das am Tag der Abstimmung des Bundestages zum entsprechenden Gesetz ausgestrahlt wurde.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Stammhörer von Deutschlandradio Kultur habe ich heute morgen in Ihrem Programm im Radiofeuilleton das Gespräch mit Prof. Heiner Bielefeldt über mich ergehen lassen müssen.

Erst ganz zum Schluss kam durch einen Versprecher der Moderatorin heraus, dass er kein UN-Experte für Religionsfragen oder gar Menschenrechte ist, sondern „Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats“. Ich werde nicht meine Zeit damit verschwenden darüber nachzudenken, was denn so ein „Sonderberichterstatter“ für eine Rolle spielt und für wen – viel interessanter ist jedoch, dass nebenbei auch noch verschwiegen wurde, dass er eigentlich Theologe ist. Man könnte jetzt das Ganze unter dem Sprichwort „Den Bock zum Gärtner machen“ zusammenfassen, aber es ist noch viel schlimmer. Sie lassen in der Frage der genitalen Verstümmelung von männlichen Kindern ohne Betäubung einen Religionsvertreter über „Menschenrechte“ und „Religionsfreiheit“ daherschwafeln, ohne ein einziges Mal nach den Menschenrechten und der Religionsfreiheit der KINDER zu fragen, die auf diese Weise verletzt, ja nicht selten für ihr ganzes Leben traumatisiert und in ihrer sexuellen Identität geschädigt werden?

Das verachtungswürdige religiöse Lobbyistengesülze von Herrn Bielefeldt geriet erst ins deutlich vernehmbare Stammeln, als die Moderatorin sich schüchtern vorwagte und nach dem Recht der Kinder auf „Unversehrtheit“ fragte. Da konstatierte Herr Bielefeldt den „hohen Stellenwert“ dieser Frage in der öffentlichen Diskussion und betonte immer wieder die „Auflagen“, die es ja jetzt mit dem neuen Gesetz gäbe. Spätestens da musste einem zwangsläufig übel werden. Nicht zuletzt auch deswegen, weil in dieser „öffentlichen Diskussion“ Betroffene nicht angehört wurden (von wenigen Veröffentlichungen einzelner Intellektueller abgesehen) und der unmoralischen Erpressungstaktik der orthodoxen Religionsvertreter eine unüberhörbare Stimme verliehen wurde.

Welche Auflagen sind da wohl gemeint? Ein bisschen Aufklärung der Eltern, ein bisschen Aufschub bei Kindern, die die Folter aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht gleich ertragen? Eine „adäquate Schmerzbehandlung“, wobei jeder ganz genau weiss, dass religiöse Beschneider diese überhaupt nicht leisten können und wollen?

Journalismus, der seinen Namen verdient, hätte an diesem heutigen – für Kinderrechte in Deutschland sehr traurigen – Tag einen Kinderarzt am Telefon gehabt (der über die Nebenwirkungsrate und Risiken der Beschneidung und den Tod von Säuglingen nach diesem „Ritual“ berichtet hätte) oder einen Vertreter einer Kinderschutzorganisation oder einen wirklichen „Menschenrechtsexperten“ und nicht nur einen Religionsvertreter mit einem gut klingenden Scheintitel. Oder einen Vertreter jener jüdischen oder muslimischen Organisationen, die diesen Akt der absichtlichen Verletzung von kleinen, willenlosen Kindern schon seit Jahren ablehnen und dafür Alternativen entwickelt haben.

Aber leider haben Sie sich nicht für qualitativ hochwertigen Journalismus entschieden, sondern für Ihren manipulativen Auftrag, die Öffentlichkeit schonmal auf das heute zu verabschiedende Gesetz vorzubereiten und wie toll es doch ist, dass in diesem Land Menschenrechte und Religionsfreiheit einen so hohen Stellenwert einnehmen. Nur musste jeder, der Ihrem Beitrag aufmerksam zugehört hat, zu dem Schluss kommen, dass Kinder keine Menschen sind, die diese (grundgesetzlich garantierten) Rechte genießen dürfen. Die sogenannte „öffentliche Meinung“ mag auf der Seite eines Herrn Bielefeldt sein, aber jeder, der im Internet und in sozialen Netzwerken unterwegs ist, jeder, der die unglaubliche Menge an kritischen Kommentaren unter den entsprechenden Artikeln der Tageszeitungen gelesen hat, weiss, dass kein mitfühlender und frei denkender Mensch in diesem Land Beschneidung gutheißt. Ganz egal welche manipulativen Botschaften Sie auch immer unters Volk streuen. Vermutlich war noch nicht mal die Radiomoderatorin dieses fragwürdigen Interviews für Beschneidung oder würde auch nur im entferntesten daran denken, ihren Sohn genital verletzen zu lassen. Aber natürlich durfte sie das nicht sagen.

Mit wenig freundlichen Grüßen

Frank Cebulla, Jena

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Ein Kommentar

  1. 13. Dezember 2012 von 06:59

    Das erinnert sehr an die von den Medien gern zitierten Sektenbeauftragten, die gegen Scientology, Mun & Co. wettern und sich bei näherer Betrachtung als Angestellte der evangelischen oder katholischen Kirche herausstellen, also eigentlich nur die Konkurrenz aus dem Weg räumen wollen.
    Wenn der Anlass nicht so traurig wäre, könnte man es lächerlich nennen.
    Die Abstimmungsliste gibt es übrigens hier:
    http://www.bundestag.de/bundestag/plenum/abstimmung/2012/20121212_5.pdf
    und einen weiteren bösen Kommentar bei mir:
    http://heidrunjaenchen.wordpress.com/2012/12/12/bundestag-erlaubt-schwere-korperverletzung/

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