Das Ende der freien Gesellschaft

Das Ende der freien Gesellschaft

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Erin­ne­run­gen an die Wende.

Es war 1989, zwei Tage nach Öff­nung der inner­deut­schen Gren­ze, als ich mich wie vie­le ande­re Ost­deut­sche auf­mach­te, um das gelob­te Land hin­ter dem Sta­chel­draht und den Selbst­schuss­an­la­gen zu besich­ti­gen. Unse­re Nach­barn nah­men uns in einem klapp­ri­gen Sko­da mit und als wir end­lich den Grenz­über­gang über­quer­ten, stan­den Kin­der an den Stra­ßen­rän­dern, die uns befrei­te Ossis mit hef­ti­gem Fähn­chen­win­ken begrüß­ten. Unser Ziel war Coburg und dort auf direk­tem Wege irgend­ein Amt, auf dem wir unser Begrü­ßungs­geld in Emp­fang nah­men. Mit dem "West­geld" in der Hand lief ich zu einem Kiosk und kauf­te mir als ers­te Ware in der frei­en Markt­wirt­schaft eine Süd­deut­sche Zei­tung. Ehr­furchts­voll hielt ich die dicken Bögen in der Hand, jeder Qua­drat­zen­ti­me­ter bedruckt mit Tex­ten eines mir bis dato unbe­kann­ten frei­en Jour­na­lis­mus. Ja ich weiß; ich war damals noch ganz schön naiv.

Es dau­er­te eine Wei­le, bis ich wie vie­le ande­re Ost­deut­sche begriff, dass im Herbst 1989 kei­ne fried­li­che Revo­lu­ti­on statt­ge­fun­den hat­te, son­dern nur ein gutes Geschäft — zwi­schen der dama­li­gen Sowjet­uni­on, die drin­gend West­mil­li­ar­den benö­tig­te und kapi­ta­lis­ti­schen Sys­te­men, die drin­gend neue Absatz­märk­te benö­tig­ten. Dank­bar war ich aus einem Unrechts­staat, der sei­ne Bür­ger flä­chen­de­ckend bespit­zel­te, in ein Sys­tem der indi­vi­du­el­len Frei­heit gewech­selt, in dem sich mir auf ein­mal unge­ahn­te Mög­lich­kei­ten eröff­ne­ten. In mei­nem letz­ten Semes­ter an der Uni inter­es­sier­te sich nun nie­mand mehr dafür, ob ich im Mar­xis­mus/­Leni­nis­mus-Semi­nar die rich­ti­ge Mei­nung ver­trat. Am Insti­tut gab es einen wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter, des­sen Auf­ga­be es gewe­sen war, Stu­den­ten als Reser­ve­of­fi­zie­re der NVA anzu­wer­ben und der nun auf ein­mal als DSU-Mit­glied in Erschei­nung trat. Als ich zusam­men mit einem Kom­mi­li­to­nen in einer Nacht- und Nebel­ak­ti­on mit einem Aus­hang auf den Wen­de­hals auf­merk­sam mach­te, rief das nur noch bei dem Bloß­ge­stell­ten Zorn her­vor, beim Rest des Insti­tuts dage­gen Hei­ter­keit. Wir waren jetzt Teil der Frei­en Welt und konn­ten ein­fach unse­re Mei­nung kund­tun, ohne Kon­se­quen­zen befürch­ten zu müssen.

Fort­an waren Buch­hand­lun­gen mein liebs­ter Auf­ent­halts­ort, denn ich konn­te alles lesen was mich inter­es­sier­te. Als ich mich eini­ge Zeit spä­ter auf einem High­screen-Com­pu­ter über das Com­pu­ser­ve-Netz­werk ins Inter­net ein­wähl­te, war das Gefühl einer wirk­lich unre­gle­men­tier­ten Exis­tenz per­fekt, denn eine wei­te­re Welt der frei­en Infor­ma­ti­on und Kom­mu­ni­ka­ti­on hat­te sich mir nahe­zu mühe­los eröffnet.

Poli­tik ohne Konsequenzen.

Knapp ein Vier­tel­jahr­hun­dert spä­ter dürf­te den meis­ten klar sein, dass nicht alles Gold war, was damals ver­füh­re­risch glänz­te. Und doch könn­te der Unter­schied zwi­schen der dama­li­gen und der heu­ti­gen bun­des­deut­schen Gesell­schaft nicht grö­ßer sein. Die Welt hat sich wei­ter gedreht — wie es so schön im "Schwar­zen Turm" von Ste­phen King heißt — und wir ste­hen vor nichts Gerin­ge­rem als dem Ende der Frei­heit. Klingt das zu dra­ma­tisch? Es kann nicht dra­ma­tisch genug klin­gen. Wir ste­hen vor einem Scher­ben­hau­fen, der nicht ein­mal mehr die Illu­si­on von Frei­heit ver­heißt oder über­haupt nötig hät­te. Man erkennt das an einem poli­ti­schen Han­deln, das kei­ner­lei Kon­se­quen­zen mehr befürch­ten muss, egal wie groß der ange­rich­te­te Scha­den für die Gesell­schaft ist.

Der Schein der schö­nen neu­en Welt brach recht hef­tig zusam­men, als klar wur­de, dass Poli­ti­ker lie­ber Ban­ken ret­te­ten als sich um die Zukunft der nach­fol­gen­den Genera­tio­nen zu küm­mern. Als klar wur­de, dass man — ohne mit der Wim­per zu zucken — Hun­der­te von Mil­li­ar­den Euro in die Finanz­märk­te pum­pen und dafür den Crash gan­zer Volks­wirt­schaf­ten und das Elend vie­ler Mil­lio­nen Men­schen in Kauf neh­men wür­de. Und als die­ser Ver­rat der Volks­ver­tre­ter an ihren Völ­kern völ­lig fol­gen- und straf­los blieb.

Und je ver­ant­wor­tungs­lo­ser, kor­rup­ter, dilet­tan­ti­scher oder kri­mi­nel­ler sich die­se Art von Poli­tik erdreis­tet daher­zu­kom­men, umso offen­sicht­li­cher ist für jeden die völ­li­ge Kon­se­quen­zen­lo­sig­keit ihres Han­delns. Als bekannt wur­de, dass ein Herr de Mai­ziè­re 600 Mil­lio­nen Euro an Steu­er­gel­dern aus dem Fens­ter geschmis­sen hat­te, um mög­lichst bald an neu­ar­ti­ge Über­wa­chungs­droh­nen zu gelan­gen, pas­sier­te — wie immer — im Grun­de gar nichts. Nie­mand stell­te eine ernst­haf­te Nach­fra­ge nach dem Zweck eines sol­chen Mili­tär­ge­räts für eine Armee, die ver­fas­sungs­ge­mäß im Inland nicht agie­ren darf und der eine Betei­li­gung an Krie­gen im Aus­land eben­so ver­fas­sungs­ge­mäß ver­bo­ten ist. Nie­mand kam die­se Sum­me beson­ders hoch vor, eine Sum­me, für die man locker 20 neue Schu­len hät­te bau­en kön­nen. Nie­mand ver­haf­te­te den Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter und klag­te ihn des Volks­ver­rats an.

Als in dem völ­ker­rechts­wid­ri­gen Krieg in Afgha­ni­stan zum ers­ten Mal seit dem 2. Welt­krieg und wie in bes­ten Wehr­machts­zei­ten wie­der ein deut­scher Oberst Hun­der­te zivi­ler Opfer in Kauf nahm, um irgend­ein absur­des mili­tä­ri­sches Ziel zu ver­fol­gen — da wur­de die­ser Oberst nicht ver­haf­tet und eines Kriegs­ver­bre­chens ange­klagt. Nein, er wur­de beför­dert.

Genau­so blie­ben die ame­ri­ka­ni­schen Flü­ge von Ver­däch­ti­gen in Geheim­ge­fäng­nis­se, über deut­sche Flug­hä­fen und deut­sches Ter­ri­to­ri­um, ohne jede Kon­se­quenz. Auch die Rol­le von BND- und BKA-Beam­ten bei der Ver­neh­mung von Ter­ror­ver­däch­ti­gen in syri­schen und liba­ne­si­schen Fol­ter­kel­lern — eigent­lich undenk­bar in einer Demo­kra­tie wie der uns­ri­gen — blieb wei­test­ge­hend im Dun­keln. Dar­an änder­te auch ein Unter­su­chungs­aus­schuss nichts. Ange­sichts "moder­ner Ver­hör­me­tho­den", Water­boar­ding oder wie­der hof­fä­hig gewor­de­ner Fol­ter wirkt der demo­kra­ti­sche Rechts­staat längst alt­ba­cken und wie von ges­tern. Staats­fein­de wie Brad­ley Man­ning, deren Schuld dar­in besteht Ver­bre­chen des Staa­tes öffent­lich zu machen, wer­den wie Tie­re nackt in Ein­zel­zel­len gesperrt und durch Schlaf- und Dun­kel­heits­ent­zug und unun­ter­bro­che­ne Ver­hö­re psy­chisch gebro­chen. Die deut­sche Regie­rung sagt dazu nichts, obwohl die­se Metho­den uns an unse­re eige­ne his­to­ri­sche Ver­gan­gen­heit mah­nen müss­ten. Gesta­po ist wie­der schick.

Die Bei­spie­le lie­ßen sich belie­big fort­set­zen, man braucht nur an die mör­de­ri­schen Akti­vi­tä­ten des NSU und die Rol­le des Ver­fas­sungs­schut­zes dabei zu den­ken, an Par­tei­spen­den-Affä­ren, an Rüs­tungs­ge­schäf­te mit Staa­ten, die Men­schen­rech­te mit Füßen tre­ten, an die Sport- und Olym­pia-Mafia, an Lebens­mit­tel­skan­da­le, Phar­ma-Lob­by­is­mus oder gro­ße Bau­pro­jek­te, die — was für ein Zufall — das Dut­zend­fa­che der vor­her pro­gnos­ti­zier­ten Kos­ten ver­zeh­ren. Es steckt immer das glei­che Sys­tem dahin­ter. Ein Sys­tem, das mitt­ler­wei­le so unver­schämt und selbst­si­cher agiert, das es nicht davor zurück­schreckt, hau­fen­wei­se Bür­ger­rech­te über Bord zu wer­fen und Geset­ze zu erlas­sen, die dem deut­schen Grund­ge­setz Hohn spre­chen. Ohne Kon­se­quen­zen.

Und mor­gen der Gestapo-Staat.

Die Demo­kra­tie hat ver­lernt sich selbst zu schüt­zen und zu bewah­ren. Als vor kur­zem — als Spit­ze des Eis­bergs — ein ein­zel­ner Mann ent­hüll­te, dass der Sta­si-Staat längst wie­der auf­er­stan­den ist und nicht davor zurück­schreckt welt­weit Mil­li­ar­den von Men­schen aus­zu­spio­nie­ren und zu über­wa­chen, da war der Scher­ben­hau­fen schon so groß, dass nie­mand mehr wirk­lich über­rascht war. Natür­lich trau­te man den Ame­ri­ka­nern alles zu, genau­so natür­lich war die Vor­stel­lung, dass bun­des­deut­sche Poli­ti­ker mit unse­ren bes­ten Freun­den gemein­sa­me Sache machen und unser Grund­ge­setz nur noch Klo­pa­pier ist.  Völ­lig logisch, dass kein deut­scher Staats­an­walt Frau Mer­kel und Herrn Fried­rich wegen Volks­ver­rats anklagt. Völ­lig logisch, dass auf ein biss­chen Ver­tu­schung, ein biss­chen lee­res Geschwätz und ein biss­chen zur Schau gestell­te Ahnungs­lo­sig­keit nur eines folgt: mit vol­ler Kraft wei­ter vor­aus in den tech­nisch voll­kom­me­nen Über­wa­chungs­staat. Der von der EU geplan­te und geför­der­te Auf­bau einer Über­wa­chungs­ar­chi­tek­tur — Stich­wort INDECT — ruft kei­nen jour­na­lis­ti­schen Auf­schrei her­vor und das in den letz­ten Jah­ren ver­ab­schie­de­te grau­en­haf­te Sam­mel­su­ri­um an — samt und son­ders ver­fas­sungs­wid­ri­gen — Geset­zen zur Auf­wei­chung von Bür­ger­rech­ten und Pri­vat­sphä­re bringt kei­nen Rich­ter um den Schlaf. Als vor­läu­fi­ger Höhe­punkt die­ses Trau­er­spiels betont unser Innen­mi­nis­ter in einem Inter­view, dass die voll­stän­di­ge Über­wa­chung der deut­schen Bevöl­ke­rung durch einen aus­län­di­schen Geheim­dienst einem "edlen Zweck" dient und kon­form mit der deut­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­bar­keit ist. Er lügt vor lau­fen­der Kame­ra wie gedruckt und er weiß, dass er lügt.

Die Skan­da­le um PRISM und TEMPORA wer­den nicht zur Ein­stel­lung die­ser Pro­gram­me füh­ren, höchs­tens viel­leicht zur Umbe­nen­nung. Für die NSA wer­den gera­de wei­te­re gigan­ti­sche Daten­spei­cher­zen­tren gebaut und wer dort — in Echt­zeit und 24 Stun­den am Tag — durch­leuch­tet wird, das sind nicht die Bin Ladens die­ser Welt, son­dern Du und ich, unse­re Part­ner, Freun­de und Ver­wand­ten, Arbeits­kol­le­gen, Gewerk­schaf­ter, Demons­tran­ten, Abge­ord­ne­te — kurz­um alle. Ob wir dabei gar nichts zu ver­ber­gen haben — die­ses Argu­ment hört man ja sehr oft — inter­es­siert die­se Leu­te nicht die Boh­ne. Du bist ver­däch­tig, egal was du tust. Egal wie unschul­dig du dich gebär­dest. Sie sam­meln alles über dich, des­sen sie hab­haft wer­den können.

Inter­es­san­ter­wei­se ist auch heu­te wie­der die Sicher­heit des Staa­tes — die Staats­si­cher­heit — das Argu­ment, mit dem alle demo­kra­ti­schen Errun­gen­schaf­ten aus­ge­höhlt wer­den. Aber Sicher­heit ohne Frei­heit ist letzt­end­lich nur ein Gefäng­nis. In einem Knast ist man sicher, aber nicht frei. Wol­len wir uns wirk­lich in der uns zuge­wie­se­nen Zel­le behag­lich ein­rich­ten? Aber mir geht noch etwas viel Beun­ru­hi­gen­de­res durch den Kopf. In der DDR ging mit den Sta­si-Metho­den auch die Wahl­fäl­schung ein­her. Glaubt ihr wirk­lich, dass Leu­te, die gera­de dabei sind, Droh­nen für die auto­ma­ti­sier­te Über­wa­chung oder gar geziel­te Tötung von Men­schen aus der Luft zu ent­wi­ckeln, davor zurück­schre­cken, Wah­len zu manipulieren?

Es ist gut mög­lich, dass wir längst nur noch in einer Pseu­do-Demo­kra­tie leben. Das Komi­sche dar­an ist, dass man kein ein­ge­fleisch­ter Pes­si­mist oder Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker mehr sein muss, um das zu behaup­ten. Es wird uns allen fak­tisch jeden Tag unter die Nase gerie­ben. Wenn wir es ver­pas­sen, selbst die mitt­ler­wei­le kläg­li­chen Res­te der Frei­heit zu ver­tei­di­gen, müs­sen wir uns nicht wun­dern, wenn wir eines Tages wie­der mit­ten in einer tota­li­tä­ren Dik­ta­tur auf­wa­chen. Wir kön­nen von den Herr­schen­den nichts erwar­ten. Auch nicht von den Medi­en, die ein­fach nur Teil des Sys­tems sind. Wir kön­nen alles was getan wer­den muss, nur von uns selbst erwar­ten. Wir sind es unse­ren Kin­dern schuldig.

12 Gedanken zu „Das Ende der freien Gesellschaft

  1. Man könn­te argu­men­tie­ren, Wahl­fäl­schung ist in einer wei­chen, lega­len Form bereits Rea­li­tät. Beispiele:

    - "Ger­ry­man­de­ring" von Wahl­krei­sen zwecks Stimmenvorsprung

    - Auf­spa­rung von "Wahl­ge­schen­ken" bis ins Wahl­jahr (typi­scher­wei­se Ren­ten­er­hö­hung nach drei Null­run­den); das ist im Grun­de Wäh­ler­ma­ni­pu­la­ti­on auf Kos­ten der Allgemeinheit

    - Geheim­hal­tung von unan­ge­neh­men Metho­den und Aktio­nen (sie­he die Zurück­hal­tung bei Äuße­run­gen der Regie­rung über PRISM, oder auch die Geheim­nis­krä­me­rei bei neu­en Geset­zen, mit wel­chen Inter­es­sens­ver­tre­tern man sich eigent­lich so getrof­fen hat), was ver­hin­dert, dass sich die Wäh­ler ein voll­stän­di­ges Bild von der letz­ten Legis­la­ti­ve machen; das ist pas­si­ver Betrug am Wähler

    - Deak­ti­vie­rung von Wäh­ler­schich­ten durch Pro­pa­gie­rung halb­sei­de­ner Posi­tio­nen oder glat­ter Lügen aka Lip­pen­be­kennt­nis­se; "Das Inter­net soll frei blei­ben" aus Uni­on-/SPD-Krei­sen in Mul­ti­plier-Medi­en, um z.B. Pira­ten den Wind aus den Segeln zu neh­men et al.

    - Büro­kra­ti­sche Hür­den für neue Bewe­gun­gen bei Wah­len anzu­tre­ten, Ent­fall für eta­blier­te Par­tei­en (spe­zi­ell Zwang zahl­rei­che Unter­schrif­ten zu sam­meln, Pro­zent­hür­den etc.);

    Wahr­schein­lich habe ich eini­ges ver­ges­sen. Alles aber legal oder zumin­dest für legal erklärt. Kunst­stück, wenn man die Regie­rung und regel­mä­ßig legis­la­ti­ve Mehr­hei­ten stellt.

    Poli­ti­kern mit die­ser Ein­stel­lung Daten­ban­ken über unser aller Leben anzu­ver­trau­en und damit mit Macht über jeden aus­zu­stat­ten, muß jeden Bür­ger in der Tat besorgt machen. Weil selbst wenn sich die aktu­el­le Rie­ge in Igno­ranz oder wie Fried­rich ges­tern in Quatsch-State­ments flüch­tet, die nächs­te Regie­rung könn­te ganz DDRes­que kor­rupt bis hin­ter die Ohren sein. Und schon leben wir alle in der Höl­le. Wie Ells­berg so tref­fend bemerkt: Geheim­nis­se und Macht kor­rum­pie­ren, auf sowas kann man also ein­fach warten.

    Daß Oba­ma und die Ton­an­ge­ber um ihn her­um ihre Ver­fas­sung nur mehr als unver­bind­li­che Emp­feh­lung ver­ste­hen, hat das gan­ze Land in eine krei­sen­de Flug­bahn um das Abfluss­loch für ehe­mals freie Gesell­schaf­ten gezwun­gen. Das 20. Jahr­hun­dert hat gelehrt, wie extrem hart man unten auf­schla­gen kann, wenn irgend­wann über­haupt kei­ne "Checks and Balan­ces" mehr greifen.

    Wir brau­chen daher ein bes­se­re Regie­rung, die sowas nicht mit­macht. Und die min­des­tens Deutsch­land nicht in die­sen Sog mit hin­ein­zie­hen lässt. Eine, die hoch­krea­tiv mit den bei­den Haupt­aus­re­den für Über­wa­chung, Dro­gen und Ter­ror umgeht. Die das Geld statt in die Ver­fol­gung von Dro­gen-Delik­ten in Prä­ven­ti­on und The­ra­pie steckt und Abhän­gig­keit ent­kri­mi­na­li­siert. Eine Regie­rung die alle Wei­chen weg vom Geo-Polit-Zir­kus um Öl stellt, die kei­ne Droh­nen son­dern Lebens­stan­dard wo hin­schickt. Dann wach­sen sofort viel weni­ger Kin­der mit Superg­roll gegen die Ame­rik­an­ski auf.

    Das ist noch ein lan­ger Weg. Fürs ers­te plä­die­re ich dar­auf, Auf­trit­te wie der von Fried­rich ges­tern im ZDF mit einem poli­ti­schen Preis­schild zu ver­se­hen. Ler­nen durch Schmerz.

  2. Noch ein Bei­spiel für poli­tisch kon­se­quen­zen­lo­ses Handeln:

    Der Staats­tro­ja­ner, der pro­gram­mier­te Ver­fas­sungs­bruch, den der CCC auf­ge­deckt hat. 

    Der CCC ist der Mei­nung, nach­dem wie der Tro­ja­ner pro­gra­m­iert war, dass der Ver­fas­sungs­bruch unter Vor­satz stattfand.
    Dafür hat nie­mand die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung übernommen.

  3. Wie schön, dass du noch lebst 😉
    1989 stan­den wir im Wahl­lo­kal und haben den Wahl­hel­fern beim Aus­zäh­len auf die Fin­ger geschaut. Scheint fast, als soll­ten wir das wiederbeleben.
    Ist es Para­noia oder gesun­der Men­schen­ver­stand, dass mir dei­ne Idee völ­lig ein­leuch­tend vorkommt?

    1. Hei­drun, den Aus­zäh­lern, muss auf die Fin­ger geschaut wer­den, denn es ist wie in der DDR, die Mit­glie­der der Wahl­vor­stän­de, sind Lini­en­treue und han­deln im Auf­trag der Bundes-Blockparteien.

  4. Das Trau­ri­ge ist, dem Stan­dard-Deut­schen, dem Tages­schau-Gucker und Fuss­ball-Fan, dem SPD Wäh­ler und der Groß­mutti, dem Leh­rer und dem Rat­haus Beam­ten, ihnen geht die $liste_der_unfassbaren_abfucks die uns zum ver­zwei­feln bringt, am Aller­wer­tes­ten vorbei.

    Neben schla­fen, arbei­ten, essen & kram kau­fen bleibt sehr wenig Zeit übrig, sich "eigen­stän­dig" zu informieren.
    Die weni­ge Zeit die übrig bleibt wird von den sys­tem­treu­en medi­en mit $bull­shit auf­ge­füllt. (fuss­ball­spie­le, wah­len, weih­nach­ten, whatever)

    Wir kön­nen uns hier noch so sehr auf­re­gen und zur Empö­rung oder sogar Ein­schrei­tung auf­ru­fen, das wird nicht funk­tio­nie­ren. Die Leu­te wer­den in Ihrer Abhän­gig­keit vom Sys­tem das Sel­bi­ge sogar noch verteidigen.

  5. Ich sehe in der Demo­kra­tie den natür­li­chen Schluß­punkt der Ent­wick­lung einer jeden Dik­ta­tur. In dem Moment, in dem es kei­ne ech­te Oppo­si­ti­on mehr gibt — ent­we­der indem man die aus­ge­schal­tet, kor­rum­piert oder assi­mi­liert hat — steht der Ein­füh­rung der Demo­kra­tie nichts mehr im Wege. 

    Men­schen- und Bür­ger­rech­te die­nen mei­ner Ansicht nach in ers­ter Linie dem Zweck Auf­stän­de und Demons­tra­tio­nen erst gar nicht ent­ste­hen zu las­sen. Sie machen erhö­hen also in ers­ter Linie die Sta­bi­li­tät eines poli­ti­schen Sys­tems, weil sie die Schwin­gun­gen dämp­fen. In die­sem Sin­ne wun­dert auch die eine oder ande­re dik­ta­to­ri­sche Den­kungs­art sei­tens der Poli­tik nicht sehr. In einem Sys­tem, dass sich aus der Dik­ta­tur ent­wi­ckelt hat gibt es so was eben. So ähn­lich wie beim Men­schen das Steiß­bein ein zurück­be­bil­de­ter Rest des Schwan­zes der Wir­bel­tie­re ist.

    Was jetzt das Inter­net angeht, so kann ich nur sagen, dass auf den meis­ten Sei­ten im Inter­net auf denen man im Inter­net einen Kom­men­tar schrei­ben kann, die­ser Kom­men­tar für alle Zei­ten sicht­bar ist. Das ent­spricht in keins­ter Wei­se der mensch­li­chen Kommunikation.

    Es ist ein­fach so, dass man sich in der Poli­tik davon hat inspi­rie­ren las­sen und meint ein­fach alles spei­chern zu kön­nen, an das man her­an­kom­men kann — und das ist eben die gesam­te Kom­mu­ni­ka­ti­on, die über das Inter­net abge­wi­ckelt wird. Das dürf­te in Zei­ten vor dem Inter­net übri­gens nicht viel anders gewe­sen sein. Pris­ma ist unter ande­rem eben auch ein Anzei­ger für den tech­ni­schen Fortschritt.

    Schö­ne, neue Welt des Internets. 

    Die Gegen­sät­ze hei­ßen mei­ner Ansicht nach nicht Frei­heit oder Sicher­heit, son­dern Frei­heit oder Bequem­lich­keit. Und das Inter­net ist ja so was von bequem. Das gilt für Smart­pho­nes übri­gens genauso. 

    Zu Zei­ten von Juli­us Cäsar war es noch nötig den Skla­ven Ket­ten anzu­le­gen. Heu­te machen wir das schon selbst und sind rumd um die Uhr (unter ande­rem für die Arbeit­ge­ber) ver­füg­bar. Soll man sich da über Prism noch wundern?

    Ich den­ke das ist eine Ent­wick­lung die schon mit Gra­ham Bell ange­fan­gen hat und sie geht immer weiter.

  6. Wenn eine Frau Mer­kel sagt, daß man einen deut­schen Poli­ti­ker nicht bei sei­nem Wahl­ver­spre­chen neh­men soll­te, dann ist die Demo­kra­tie in Deutsch­land doch nur noch eine Far­ce oder ein Kas­per­le­thea­ter. Da wun­dert es mich auch nicht mehr, daß ein Bun­des­wehr­of­fi­zier anstatt wegen Kriegs­ver­bre­chen in über 100 Fäl­len ange­klagt zu wer­den lie­ber zum Bri­ga­de­ge­ne­ral beför­dert wird.

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