Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Das wichtigste unabhängige Nachrichtenportal für Jena und seine Umgebung hat sich selbst so oft verändert, bis es faktisch nicht mehr zu benutzen ist. Das ist das bedauerliche Fazit, das man nach erneuten Umgestaltungen leider ziehen muss.

Gern hätte ich die folgenden Gedanken in einem Kommentar auf Jenapolis selbst untergebracht. Aber leider wurde die Kommentarfunktion gesperrt und ist nur noch für der Redaktion bekannte und angemeldete Nutzer mit Klarnamen zugänglich. Die Kontroverse zu Klarnamen auf Jenapolis gab es schon mehrfach, das Ergebnis war jedesmal dasselbe. Es hat kaum noch jemand kommentiert und der Meinungsaustausch kam fast vollständig zum Erliegen. Anonymität ist ein wichtiger Aspekt der Meinungsfreiheit im Internet, erstrecht in diesen Tagen, wo der allzu aufmüpfige oder gar politisch inkorrekt denkende Bürger mit Strafanzeigen, Benachteiligungen, Entlassung oder Shitstorms von selbsternannten Blockwarts rechnen muss. Mit Transparenz – wie von Jenapolis behauptet – hat das wenig bis gar nichts zu tun. Transparenz kann und muss man von Staat, Politik und Verwaltung erwarten dürfen, die Sichtbarmachung der Privatsphäre und der Zugriff darauf stehen dagegen auf einem anderen Blatt.

Hinzu kommt, dass Jenapolis ab sofort auch keine Pressemitteilungen von politischen Parteien mehr publizieren wird. Diese werden als „Public relations“ abgelehnt und zwar nach der Devise ‚Lieber keiner als alle‘ – vermutlich mit dem Blick auf die AfD. Weil „die Linken und die anderen Parteien immer schwerer damit umgehen wollen, ja sogar die Strategie des Totschweigens als Leitbild der politischen Kommunikation gewählt haben“, veröffentlicht man lieber gar nichts mehr. Dabei hatte doch Jenapolis gerade auch den Mut besessen, das breite Spektrum an politischen Positionen ungefiltert zur Verfügung zu stellen und es dem Leser überlassen, sich seine eigene Meinung zu bilden. Ich kann mir vorstellen, unter welchen Beschuss die Jenapolis-Redaktion geraten ist, als zu diesem Spektrum auch die AfD dazugekommen ist. Doch jetzt in vorauseilendem Gehorsam darauf mit der Entfernung aller politischen Verlautbarungen zu reagieren, ist meines Erachtens der falsche Weg. Auch die Piraten, denen ich bekannterweise angehöre, haben größte Bauchschmerzen, was den Rechtspopulismus der AfD anbelangt. Doch von der nun selbstauferlegten medialen Ignoranz gegenüber Parteien sind wir  ebenso betroffen. Ein gutes Beispiel, wie Zensur von Extremen auch den allgemeinen und wünschenswerten Diskurs einschränkt. Liebe Jenapolis-Redaktion, ihr wollt kein Sprachrohr der AfD sein? Das ist verständlich. Aber ihr drückt damit auch der kommunalpolitischen Opposition Jenas die Kehle zu. Parteien wie die Piraten, die Bürger für Jena oder selbst die Linke haben es schwer, die Menschen in der Stadt über die bekannten Printmedien zu erreichen. Gerade wir haben uns in den vergangenen Monaten im Stadtrat die allergrößte Mühe gegeben, transparent über Vorgänge hinter den kommunalpolitischen Kulissen zu berichten und die wichtige Kritik am üblichen Durchregieren der Koalition anhand nachvollziehbarer Fakten ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Dieses Licht schaltet ihr an dieser Stelle aus. Darüber hinaus haben OTZ/TLZ auf ihren Online-Plattformen Paywalls eingerichtet, sodass selbst dort relevante Themen und Artikel nicht mehr einfach so für jedermann erreichbar sind. Jenapolis hat in den letzten Jahren diese Lücke vorbildlich – und sicher in aufopferungsvoller Arbeit – gefüllt und versucht, auch den kritischen Stimmen in der Stadt Gehör zu verschaffen. Das ist jetzt leider Geschichte.

Hinzu kommen fast ständige Umgestaltungen des Layouts und der Navigation, die die Orientierung auf der Plattform erschweren. Artikellisten in Spalten führen nicht selten zu völlig veralteten Artikeln aus Vorjahren, während man aktuelle Themen (z.B. den Aufruf zur Teilnahme an der Online-Umfrage zum Fragebogen des Bürgerhaushalts) nur schwer oder gar nicht findet. Klicke ich die Rubrik ‚Stadtrat‘ an, wird als Ergebnis ein einziger (!) Artikel angezeigt. Ich selbst habe in den letzten Jahren nicht wenige Blogposts zu den ‚Gedankensplittern‘ auf Jenapolis beigetragen. Beim Aufruf dieser Rubrik ist davon nichts mehr übrig geblieben. Die Rubrik enthält derzeit lediglich noch 12 Artikel neueren Datums.

Auf dem Portal sind außerdem haufenweise Fehler enthalten. Beispielsweise stimmen die Teaser-Texte nicht mehr mit den Überschriften überein. So steht unter Thomas Nitzsches Artikel zur Autofeindlichkeit in der Stadt irgendwas von „Bürgerkriege und Krisenherde weltweit“ oder unter dem Titel „Islam – Islamismus“ findet sich als Fortsetzung der Hinweis auf den 1000. Stromsparcheck. Sorry, liebe Jenapolis-Leute, aber ihr habt solange an eurem Portal herumgeschraubt, bis man als bisher leidenschaftlicher Jenapolis-Leser und -Nutzer nur noch genervt das Handtuch werfen kann.

Jenapolis war bisher DAS Schwergewicht an unabhängiger, breiter, ungefilterter und vor allem auch kritischer Information in Jena. Was ist davon übrig geblieben? Ein Sammelsurium von in meinen Augen unüberlegten und unausgereiften Änderungen, die die Benutzbarkeit des Portals fast gegen Null gefahren haben. Die bisher immer angezeigte Spalte der aktuellsten Leserkommentare ist nun wieder verschwunden, die öffentliche Diskussion in der Stadt wieder ein Stück ärmer geworden. Angesichts der Tatsache, dass genau diese Stärkung des öffentlichen Diskurses immer euer Anspruch war, kann ich das nur schlecht verstehen. Dass man stattdessen nun Facebook-Links „sammelt“, ist ein schwacher Trost. Wer Facebook mag, bewegt sich dort und verfolgt dort seine Freunde und Favoriten. Wer die Datenkrake nicht mag, möchte es auch nicht hinterhergeworfen bekommen. Die Attraktivität von Jenapolis hat stark gelitten und ich selbst weiß momentan nicht so recht, warum ich dort noch vorbeischauen oder gar dafür schreiben sollte.

Print Friendly, PDF & Email

Ein Kommentar

  1. Fraggle-Reply
    26. November 2016 von 05:01

    Joar .. ich … in Jena gelebter .. jetzt gleich 50 Jahre … sehe das sich nicht nur die Stadt wandelt sondern auch aus dem sozialem miteinender ein Grüpchen geworden ist. Jeder gegen Jeden.

    Global denken .. Lokal Handeln.

    Das ist die Devise.

    Na wenigstens bin Ich hier goß geworden ^^ … Jena hat schon was ..

    Aber im Moment geht das der Politik ab … alles wird gleich gemacht.

    Selavie

Hinterlassen Sie einen Kommentar