Franks SchreibBlog
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Gedan­ken zum aktu­el­len Zustand der Pira­ten­par­tei

Pro­fil­schär­fung ist ein böses Wort. Es klingt irgend­wie so neo­li­be­ral. Es ist das Wort der Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen und Mar­ke­ting­stra­te­gen. Man denkt unwill­kür­lich an schein­hei­li­ge poli­ti­sche Tak­ti­ken, um Wäh­ler hin­ters Licht zu füh­ren oder an dubio­se Wer­be­feld­zü­ge, um Kon­su­men­ten um ihr Geld zu betrü­gen. Pro­fil­schär­fung kommt gleich hin­ter Leis­tungs­ge­sell­schaft und Mar­ken­kern.

Nichts­des­to­trotz hat die Pira­ten­par­tei der­zeit kaum etwas so sehr nötig wie die Schär­fung ihres poli­ti­schen Pro­fils.

Ich wer­fe einen Blick in mei­ne heu­ti­ge Twit­ter-Time­li­ne und fil­te­re den offi­zi­el­len Account der Pira­ten­par­tei her­aus. Unter den ers­ten 20 Tweets, die ich durch­blät­te­re, trans­por­tie­ren 6 das The­ma IDAHOT und Homo­pho­bie, 5 pro­pa­gie­ren die Frei­ga­be von Hanf, es folgt die Miß­hand­lung von Flücht­lin­gen in Poli­zei­ge­wahr­sam, mit dem The­ma Vor­rats­da­ten­spei­che­rung beschäf­ti­gen sich 2 Tweets, Schlag­zei­len und Neu­ig­kei­ten zum Über­wa­chungs- und Geheim­dienst­skan­dal fin­de ich — zumin­dest zu die­sem Zeit­punkt — unter den Top Twen­ty nicht.

Es gab mal eine Zeit, da war es so klar wie Kloß­brü­he, wofür die Pira­ten ste­hen: die Frei­heit des Inter­nets, Kampf gegen Über­wa­chung, Schutz der Pri­vat­sphä­re, Reform des Urhe­ber­rechts, Trans­pa­renz in Poli­tik und Ver­wal­tung, Bür­ger­rech­te und Bür­ger­be­tei­li­gung, Offen­le­gung von Kor­rup­ti­on und Macht­miss­brauch der Eta­blier­ten. Zu die­sem Zeit­punkt weh­ten über­all im Land die oran­ge­nen Fah­nen und zwar so hef­tig, dass es den ande­ren Par­tei­en Angst und Ban­ge wur­de. Es gab mal eine Zeit, da betrach­te­ten sich die Pira­ten als ver­nünf­ti­ge und prag­ma­ti­sche Alter­na­ti­ve zur Schein­hei­lig­keit der ver­krus­te­ten Ideo­lo­gi­en und über­kom­me­nen Polit­kon­zep­te, die den Her­aus­for­de­run­gen der digi­ta­len Gesell­schaft nicht gewach­sen sind. Die Men­schen in die­sem Land setz­ten gro­ße Hoff­nun­gen in die neue poli­ti­sche Kraft, ins­be­son­de­re die, die Poli­tik nur noch als Beläs­ti­gung ver­stan­den und der Demo­kra­tie den Rücken gekehrt hat­ten.

Für was steht heu­te die Pira­ten­par­tei und wes­sen Inter­es­sen ver­tritt sie? Wur­de die­se Par­tei gegrün­det, um für die Rech­te von Men­schen mit ande­ren sexu­el­len Ori­en­tie­run­gen zu strei­ten? Wohl kaum. Wur­de sie gegrün­det, um unter dem Ban­ner des Femi­nis­mus gegen die ver­meint­li­che oder tat­säch­li­che Benach­tei­li­gung von Frau­en zu kämp­fen? Wohl kaum. Bestand der ursprüng­li­che Sinn der Pira­ten­par­tei dar­in, gegen Pho­bi­en und Ängs­te von Mit­men­schen anzu­ge­hen? Nein, Frei­heit statt Angst war das Mot­to. Waren wir die Stei­ne­wer­fer, die Mili­tan­ten, die Radi­ka­len, die Sitz­blo­ckie­rer und Ran­d­ale­ma­cher? Nee, waren wir nicht. Hat­ten sich die Pira­ten zusam­men­ge­fun­den, um als poli­ti­scher Arm der Gen­der­ideo­lo­gie oder der Anti­fa auf­zu­tre­ten? Erst­recht nicht. Woll­ten wir tag­täg­lich über Dis­kri­mi­nie­run­gen, Min­der­hei­ten, Refu­gees und Flücht­lings­po­li­tik dis­ku­tie­ren? Das war nicht unser poli­ti­sches Ziel. Haben sich die Pira­ten jemals als Volks- und Deutsch­land­hasser, Kriegs­to­ten­ver­höh­ner und Hass­pro­pa­gan­dis­ten ver­stan­den? In ihrer über­wäl­ti­gen­den Mehr­heit kei­nes­wegs. Ver­ach­te­ten wir die frei­heit­li­che Aus­rich­tung der Gesell­schaft und ihren demo­kra­ti­schen Kon­sens? Ganz im Gegen­teil, wir haben immer das Grund­ge­setz als unse­ren Kodex ver­stan­den, den es zu ver­tei­di­gen gilt.

twitter_screenshot_piraten

<Pflicht­text> Nein, ich habe kei­nes­wegs etwas gegen Schwu­le oder Les­ben, sons­ti­ge sexu­el­le Ori­en­tie­run­gen oder alter­na­ti­ve Lebens­kon­zep­te. Es ist völ­lig klar, dass jeder nach sei­ner Façon glück­lich wer­den soll. Nein, ich sym­pa­thi­sie­re mit kei­ner Form tota­li­tä­ren oder gar faschis­ti­schen Den­kens. Nein, ich habe über­haupt nichts dage­gen, für die Gleich­be­rech­ti­gung der Geschlech­ter ein­zu­tre­ten. Und ja, ich fin­de über­trie­be­nen Natio­na­lis­mus abschre­ckend und Frem­den­hass befremd­lich. Hier belie­big wei­te­re poli­tisch kor­rek­te Bekennt­nis­se ein­fü­gen ... </Pflichttext>

Noch­mal die Fra­ge, wofür steht heu­te die Pira­ten­par­tei und wes­sen Inter­es­sen ver­tritt sie? Der­zeit ste­hen die Pira­ten in der Wäh­ler­gunst bei einem ein­zi­gen Pro­zent und damit ganz unten. Irgend­wann wer­den mehr Men­schen die Tier­schüt­zer­par­tei wäh­len als die Frei­heits­schüt­zer­par­tei. War­um das so ist, ver­steht sich von selbst. Weil sich nur ein Pro­zent der Men­schen von den The­men und Zie­len der Par­tei (oder dem was in der Öffent­lich­keit davon ankommt) reprä­sen­tiert füh­len. Mit dem merk­wür­di­gen Bestre­ben, irgend­wie die digi­ta­len lin­ken Ersatz­grü­nen 2.0 zu wer­den, ren­nen wir wei­ter gegen die Wand. Die Wahl in Bre­men hat es gezeigt. Jede wei­te­re Wahl wird es eben so zei­gen. In einer desas­trö­sen Situa­ti­on gibt es nichts Schlim­me­res als ein­fach so wei­ter­zu­ma­chen wie bis­her und dar­auf zu hof­fen, dass es irgend­wann schon wie­der auf­wärts gehen wird, wenn man nur lan­ge genug durch­hält. Selbst die FDP hat das begrif­fen. Nur wir begrei­fen es nicht.

Kom­men wir zur Pro­fil­schär­fung zurück. Es gibt vie­le wich­ti­ge und rich­ti­ge The­men in die­ser Gesell­schaft, für die es sich zu strei­ten lohnt. Irgend­wie sind wir uns einig, dass die Demo­kra­tie nach dem Zwei­ten Welt­krieg noch nie so sehr gefähr­det war wie jetzt und wir auf einen unglaub­li­chen Orwell­schen Para­noia-Staat zusteu­ern. Wir sind uns genau­so einig, dass die eta­blier­ten Par­tei­en lügen und betrü­gen und wei­ter­hin nur damit beschäf­tigt sind, ihr Scherf­lein ins Trock­ne zu brin­gen, ihre Taschen zu fül­len und ihren Macht­an­spruch zu sichern. Die Pira­ten wären DIE rich­ti­ge Alter­na­ti­ve, immer noch. Sie brin­gen alles dazu mit, was gebraucht wird. Wir müs­sen nicht lin­ker als die Lin­ken sein, denn es gibt bereits eine lin­ke Par­tei. Wir müs­sen auch nicht alter­na­ti­ver als die Grü­nen sein, denn jeder weiß, wie ver­lo­gen und heuch­le­risch die Ver­bot­s­par­tei ist und dass sie kei­ne Alter­na­ti­ve für die Zukunft die­ses Lan­des dar­stellt. Wir müs­sen nicht die Beschüt­zer und Psy­cho­lo­gen der armen Benach­tei­lig­ten, der Auf­schrei­er und Selbst­dar­stel­ler sein, die kön­nen sich auch gut selbst ins Ram­pen­licht rücken. Es gibt so vie­le klu­ge und sym­pa­thi­sche Frau­en, die sich bei den Pira­ten wohl­füh­len. Aber es gibt nicht den gerings­ten Grund, zu allem Über­druss auch noch die neue radi­kal­fe­mi­nis­ti­sche Pro­fes­sx-Quo­ten-Par­tei sein zu wol­len, die sich um Links­aka­de­mi­ke­rin­nen in Auf­sichts­rä­ten oder um sexu­el­le Auf­klä­rung im Kin­der­gar­ten sorgt. Es ist fast schon albern dar­auf hin­zu­wei­sen, dass man als Par­tei nicht alles sein kann. Es wäre ein Fall von lächer­li­cher Selbst­über­hö­hung und patho­lo­gi­schem Gut­men­schen­tum zu glau­ben, dass wir für alles eine Ant­wort haben und uns für alles und jeden ins Zeug legen wer­den und kön­nen. Für den ewi­gen hel­den­haf­ten und auf­wands­lo­sen Kampf für das Gute haben wir Twit­ter und die ande­ren sozia­len Netz­wer­ke. Dafür müs­sen wir kei­ne Par­tei sein, die nur dann etwas bewir­ken kann, wenn sie in den Par­la­men­ten sitzt. Mitt­ler­wei­le wer­den grü­ne Poli­ti­ker an die Mikro­fo­ne geholt, wenn es um Netz­po­li­tik geht und die FDP hat sich gera­de für die Frei­ga­be von Can­na­bis aus­ge­spro­chen. Men­schen in mehr oder weni­ger hüb­schen Kos­tü­men, in Leder oder mit Sta­chel­hals­bän­dern wer­den wie jedes Jahr den CSD fei­ern. Und die selbst­er­nann­ten Exper­tin­nen für die Befrei­ung der Frau wer­den wei­ter­hin in die Talk­shows drän­gen und ihre Bücher ver­mark­ten. Kei­ne Sau braucht dafür die Pira­ten.

Wir müs­sen nur ein­fach mal anfan­gen, unser Pro­fil wie­der zu schär­fen und all den Bal­last über Bord zu wer­fen, der uns dar­an hin­dert, etwas zu bewe­gen. Das die­se Kon­zen­tra­ti­on gelin­gen kann, zei­gen übri­gens über­all die kom­mu­nal­po­li­ti­schen Pira­ten-Akti­ven in den Stadt­rä­ten und Kreis­ta­gen. Wer dort die Sor­gen und Nöte der ganz nor­ma­len Mehr­heit von Bür­gern nicht ernst­nimmt, braucht gar nicht erst anzu­tre­ten. Ber­lin-Kreuz­berg ist nicht Deutsch­land. Es wird end­lich mal Zeit, das zu ver­ste­hen.

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12 Kommentare

  1. 18. Mai 2015 von 12:29

    Voll­kom­men rich­tig.
    Wir müs­sen wie­der als libe­ra­le Bür­ger­rechts­be­we­gung wahr­ge­nom­men wer­den.
    Das heißt ja nicht, daß wir des­we­gen kei­ne sozia­len The­men im Pro­gramm haben (die erge­ben sich dar­aus auto­ma­tisch, wenn man nicht wirt­schafts­li­be­ral ist).
    Es heißt nicht, daß Pira­ten nicht zu einem CSD oder Hanf­marsch gehen dür­fen.
    Es heißt nur, daß wir unser Allein­stel­lungs­merk­mal stär­ker in den Vor­der­grund rücken müs­sen.

    Gruß

  2. 18. Mai 2015 von 13:23

    Dan­ke Frank!

    Ich kann Dir nur voll und ganz zustim­men.

    In Dres­den haben sich die bei­den Pira­ten, die es geschafft haben in den #staD­Drat gewählt zu wer­den, der Frak­ti­on DIE LINKE ange­schlos­sen. Dafür ist u.a. eine hal­be Stel­le für ein wei­te­res Pira­ten­mit­glied "abge­fal­len".
    Von ori­gi­nä­ren Pira­ten­the­men ist mE eigent­lich "nur" #open­da­ta übrig­ge­blie­ben. Und mög­li­che Erfol­ge wer­den bestimmt nicht auf die Pira­ten (in Dres­den) zurück­fal­len.
    Als es dar­um ging, dass der #staD­Drat poli­tisch, nicht etwa juris­tisch, die Zuläs­sig­keit eines Bür­ger­be­geh­rens bzw. -ent­schei­des zu beschlie­ßen, haben bei­de geknif­fen, um anschlie­ßend einem aus­sicht­lo­sen Erset­zungs­an­trag zuzu­stim­men.
    Wei­ter­hin sind die Pira­ten, vor allem mit Wor­ten und nicht etwa mit Taten, dabei, wenn es um die Ver­hin­de­rung miss­lie­bi­ger Demos von Pegi­da, Geg­nern der Grühse­xua­li­sie­rung oder ande­ren geht.
    Ein Frei­funk­kno­ten bzw. offe­nes WLAN an einem belieb­ten Stadt­teil­park hat zwar für kurz­fris­ti­ge Auf­merk­sam­keit gesorgt, wur­de aber man­gels Durch­hal­te­ver­mö­gen nicht wei­ter vor­an­ge­trie­ben.
    Zumin­dest in Dres­den sind die Pira­ten nach allen Sei­ten offen und las­sen kei­ne Stra­te­gie erken­nen. Es soll ein­fach allen (außer "Nazis") recht gemacht wer­den.

    Es war bereits nach der (ver­lo­re­nen) Bun­des­tags­wahl kein Wil­le zur Ver­än­de­rung erkenn­bar.. und ist es bis heu­te nicht. Also:

    Klar­ma­chen zum Ken­tern!

    • Michael-Reply
      29. Mai 2015 von 14:19

      Hal­lo f,

      Kri­tik ist immer ange­bracht. Wenn du Pro­ble­me mit der Arbeit der Dresd­ner Abge­ord­ne­ten hast, unter­stüt­ze sie, damit sie die The­men ver­tre­ten kön­nen, die du wich­tig fin­dest.

      Im gemein­sa­men Ver­trag aller Par­tei­en zum lin­ken Bünd­nis in Dres­den beinhal­tet mei­ner Ansicht nach sehr vie­le Pira­ten­the­men. Die Ein­füh­rung einer Whist­leb­lo­wer­stel­le und einem Antrag zu open­da­ta sind für ein Jahr Stadt­rats­ar­beit mei­ner Ansicht nach eben­falls sehr gute Ergeb­nis­se. An wei­te­ren Anträ­gen wird mei­nes Wis­sens gear­bei­tet.

      Beschwe­ren ist immer ein­fach, mit­ma­chen wäre aber an vie­len Stel­len wesent­lich sinn­vol­ler.

      Gruß

  3. Neo Vg-Reply
    18. Mai 2015 von 15:45

    Die Pira­ten­par­tei wur­de geka­pert. Von Pro­fil­neu­ro­ti­kern und ande­ren Stö­ren­frie­den, die unter der Flag­ge des Femi­nis­mus, des Anti­fa­schis­mus und ande­rem Macht über Men­schen aus­üben wol­len. Sol­che Leu­te tre­ten über­all dort auf, wo die (nicht) vor­han­de­nen Struk­tu­ren das nicht ver­hin­dern, sie hat­ten also in den expli­zit auf Mit­spra­che­recht aller Mit­glie­der aus­ge­leg­ten Pira­ten­par­tei beson­ders leich­tes Spiel.

    Das Expe­ri­ment Pira­ten­par­tei ist für mich wie für vie­le ande­re Ex-Mit­glie­der und -Wäh­ler geschei­tert. Scha­de, aber ist halt so. Wenigs­tens haben wir dabei etwas gelernt.

  4. Someone-Reply
    18. Mai 2015 von 19:21

    Wir wäre es wenn ihr die Öffent­lich­keits­ar­bei­ter mal bezahlt dann haben sie auch Zeit ihren Job rich­tig zu machen.
    Der Arti­kel geht davon aus das es eine Struk­tur dahin­ter gibt. Dies scheint aber nach mei­nen Infor­ma­tio­nen nicht der Fall zu sein.
    Der völ­lig fal­sche Ansatz etwas zu for­dern wenn es nicht die nöti­gen Mit­tel für gibt es umzu­set­zen.

    • Heidrun-Reply
      19. Mai 2015 von 06:08

      Du stellst dem Fal­schen die fal­sche For­de­rung, denn zumin­dest vor­ort in Jena IST Frank ein wesent­li­cher Teil der "Struk­tur" und einer von unge­fähr zwei hyper­ak­ti­ven, unbe­zahl­ten Öffent­lich­keits­ar­bei­tern, die dafür sor­gen, dass die Par­tei kom­mu­nal­po­li­tisch prä­sen­ter ist als CDU oder Grü­ne. Wir lagen letz­tes Jahr bei 4.6 %. Könn­te mehr sein, aber die Kri­ti­ken am Info­stand gin­gen immer gegen die Bun­des­par­tei und nie gegen die Kom­mu­nal­po­li­tik.
      Das Pro­blem ist, dass ver­rück­te Ego­zen­tri­ker in zwei Minu­ten mehr Geschirr zer­schla­gen kön­nen, als ein Dut­zend flei­ßi­ger Basis­pi­ra­ten in einem Monat zusam­men­töp­fern kön­nen.

  5. c3o-Reply
    18. Mai 2015 von 21:19

    Hä? Du willst, dass die Pira­ten­par­tei in einem Wort als "Frei­heits­schüt­zer­par­tei" wahr­ge­nom­men wird und stößt dich gleich­zei­tig dar­an, dass über "über Dis­kri­mi­nie­run­gen, Min­der­hei­ten, Refu­gees und Flücht­lings­po­li­tik" gespro­chen wird?
    Meinst du mit "Frei­heit" denn nur Anlie­gen, die dich per­sön­lich betref­fen? Mit wel­cher Begrün­dung soll nicht für die Frei­heit von allen Men­schen gekämpft wer­den?

    Außer­dem: Als die Pira­ten­par­tei ein­zig für die "Kern­the­men" stand, war sie bei Wah­len unge­fähr auf dem­sel­ben Niveau wie heu­te. Der Durch­bruch kam in Ber­lin mit die­sen Pla­ka­ten: https://wiki.piratenpartei.de/BE:Gestaltung/Plakate – BGE, Wahl­recht für alle, Gleich­be­rech­ti­gung,...

    • Frank11-Reply
      19. Mai 2015 von 06:56

      Es steht dir ja frei, dich für was oder wen auch immer zu enga­gie­ren. Die Frei­heit, für die die Pira­ten­par­tei immer poli­tisch stand, ist die Frei­heit im Inter­net­zeit­al­ter, die Frei­heit von Grund­ge­setz und Bür­ger­rech­ten, die Frei­heit vor Über­wa­chung und Ein­grif­fen in die Pri­vat­sphä­re, die Frei­heit der Infor­ma­ti­on und Bil­dung. Das sind nicht mei­ne per­sön­li­chen Anlie­gen, son­dern zen­tra­le Kern­punk­te für die gesam­te Gesell­schaft.
      Natür­lich kön­nen wir auch für Vega­nis­mus, chi­ne­si­sche Wan­der­ar­bei­ter, die Kar­rie­re von Auf­sichts­rats­frau­en, her­ren­lo­se Hun­de oder gegen Gen­tech­nik strei­ten. Die Fra­ge ist nur, was hat das mit der Pira­ten­par­tei und ihrer eigent­li­chen und ursprüng­li­chen poli­ti­schen Inten­ti­on zu tun?

    • Andreas-Reply
      19. Mai 2015 von 07:48

      Hal­lo c3o,

      "... und stößt dich gleich­zei­tig dar­an, dass über „über Dis­kri­mi­nie­run­gen, Min­der­hei­ten, Refu­gees und Flücht­lings­po­li­tik” >>gespro­chen< "tue nicht nur Gutes, son­dern rede auch dar­über" etc.)

      Und wir sind nicht (nur) die Netz­par­tei.

      "Frei­heit — Teil­ha­be — Bil­dung" ist das Drei­ge­stirn, wel­ches unse­re Poli­tik­zie­le mei­ner Mei­nung nach umfas­send abbil­det und mit deren kon­se­quen­ter Umset­zung sich auch wie­der Wah­len gewin­nen las­sen.

      Frei­heit — "Jede/r Bürger/in darf nach eige­ner Fas­son see­lig wer­den"
      — ent­hält z.B. den Kampf gegen VDS und geheim­dienst­li­chen Bruch der Pri­vat­sphä­re aber auch The­men wie "queer" u.a. und fin­det sei­ne Gren­zen nur in der Frei­heit des ande­ren (nennt sich gesell­schaft­li­ches Zusam­men­le­ben).
      Ande­ren die eige­ne Mei­nung auf­zwin­gen zu wol­len wider­spricht die­sem Anspruch dia­me­tral. "Über­zeu­gen statt Oktroy­ie­ren".

      Teil­ha­be — "Jede/r Bürger/in muss einen ange­mes­se­nen Anteil am gesell­schaft­li­chen Wohl­stand erhal­ten kön­nen"
      — ent­hält z.B. das BGE als ein­zig zukunfts­fä­hi­ge Ant­wort auf den seit lan­gem andau­ern­de Struk­tur­wan­del in Wirt­schafts­welt & Arbeits­markt

      Bil­dung — "Jede/r Bürger/in muss unbe­schränk­ten Zugang zum Wis­sen der Welt erhal­ten und Unter­stüt­zung dabei, die­ses zu erwer­ben"
      — ent­hält z.B. auch die For­de­rung nach moder­ni­sier­tem "Urhe­ber­recht". Und nach Trans­pa­renz, denn jeder (poli­ti­sche) Pro­zess, auch wenn er schief gegan­gen ist, ist geeig­net als Lehr­bei­spiel dafür herzuhalten,dass die gemach­ten Feh­ler sich nicht wie­der­ho­len. z.B. Faschis­mus.
      Oder aktu­ell: "Mer­keli­mus" 😉 .

      PS: Dan­ke an Frank für die­sen tol­len Blog.

    • Andreas-Reply
      19. Mai 2015 von 07:56

      Mit Grö­ße/Klei­ner-zei­chen hat es der Edi­tor nicht so, daher noch­mal der Anfang ohne sol­che Zei­chen ...

      Hal­lo c3o,

      "... und stößt dich gleich­zei­tig dar­an, dass über „über Dis­kri­mi­nie­run­gen, Min­der­hei­ten, Refu­gees und Flücht­lings­po­li­tik” gespro­chen wird?"

      Genau DAS ist eben nicht der Fall. Jede/r darf sich für das/die eigene/n Lieblingsthema/en enga­gie­ren, wenn die Kern­the­men und das Gesamt­ziel dabei nicht aus den Augen ver­lo­ren wird.

      Und Schlag­kraft einer Par­tei oder poli­ti­schen Bewe­gung kommt nicht dadurch zustan­de, dass man sich zer­split­tert.

      Schon aus der klas­si­schen Phy­sik ist bekannt, dass der Druck um so höher ist, je klei­ner die Spit­ze ist auf die Kraft wirkt (Flä­chen­druck p = F/A).

      Das gilt in der Poli­tik glei­cher­ma­ßen.

      Kon­zen­tra­ti­on auf das Wesent­li­che (= Allein­stel­lungs­merk­ma­le) ist das Zau­ber­wort, des­sen Umset­zung zwin­gend für einen Erfolg not­wen­dig ist.
      (neben ande­ren wich­ti­gen Din­gen, wie Diskussions/Streitkultur, Öffent­lich­keits­ar­beit : "tue nicht nur Gutes, son­dern rede auch dar­über" etc.)

      ....

  6. Michael-Reply
    29. Mai 2015 von 14:15

    Hal­lo Frank,

    inter­es­san­ter und aber viel zu lan­ger Blog­post. In vie­len Din­gen stim­me ich natür­lich nicht mit dir über­ein. Der Grün­dungs­my­thos der Pira­ten­par­tei bezieht sich auf Urhe­ber­recht, alles was danach kam ist Inter­pre­ta­ti­ons­sa­che. Ich bin seit 2009 dabei und sehe vie­le Din­ge anders als du — auch schon damals. Ich bin mit­nich­ten aus den Grün­den ein­ge­tre­ten, die du beschreibst. Das Kre­do war Poli­tik anders zu gestal­ten, die The­men kom­men von den Mit­glie­dern.

    Und genau da haben wir den Knack­punkt: Du liest auf Twit­ter offi­zi­el­le Tweets — weil sich genau die­se Men­schen mit den The­men beschäf­ti­gen die du liest. Weil es gesamt­ge­sell­schaft­lich der­zeit eben nur einen klei­nen Teil in der Bevöl­ke­rung gibt, die sich für The­men wie Vor­rats­da­ten­spei­che­rung, Über­wa­chungs– und Geheim­dienst­skan­dal inter­es­sie­ren. Die Par­tei spie­gelt letzt­lich nur ein Abbild der Gesell­schaft wie­der. Die Lis­ten der AG Netz­po­li­tik oder Daten­schutz spie­geln den Gegen­pol auch sehr gut wie­der.

    Wenn wir wol­len, dass die­se, auch mei­ner Ansicht nach sehr wich­ti­gen The­men, gesell­schaft­lich stär­ker wahr­ge­nom­men wer­den, benö­ti­gen wir einen Weg den Men­schen zu ver­mit­teln, wie wich­tig die­se The­men sind. Das hier ist z.B. mei­ner Ansicht nach eine tol­le Sache: https://www.youtube.com/watch?v=iHlzsURb0WI

    Die Par­tei gibt der­zeit knapp 100.000€ für IT und Betreu­ung aus, aber 0€ für Kam­pa­gnen an, um egal wel­che The­men stär­ker zu the­ma­ti­sie­ren.

    Es ist falsch, die Men­schen dafür ver­ant­wort­lich zu machen, dass etwas nicht funk­tio­niert, wie man möch­te, nur weil die sich für ande­re Din­ge ein­set­zen.

    Man muss schon selbst dafür sor­gen, dass das pas­siert, was man möch­te. Fang damit an und unter­stüt­ze z.B. Juli­as Kam­pa­gne zum Urhe­ber­recht (https://www.youtube.com/watch?v=o9FTp_htnnc) betei­li­ge dich aktiv auf den rele­van­ten Lis­ten und enga­gie­re dich in den Struk­tu­ren die du wich­tig fin­dest und hör auf die Men­schen, die Din­ge tun, die du nicht wich­tig fin­dest, für irgend­was ver­want­wort­lich zu machen.

    Gruß
    Micha­el

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