Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Vor nicht all­zu lan­ger Zeit habe ich einem Blog­post ein Zitat von Hakim Bey vor­an­ge­stellt: "Wir haben kei­ne Begier­den. Wir sind die Opfer von Miß­brauch." Der Text beschäf­tigt sich mit den media­len Aus­wüch­sen von Heu­che­lei und Dop­pel­mo­ral im Bereich der Sexua­li­tät. Es ist genau die­se unsäg­li­che Dop­pel­mo­ral, die sich durch alle der­zei­ti­gen Dis­kus­sio­nen über angeb­li­chen oder tat­säch­li­chen Sexis­mus zieht. Schrä­ge bun­te Mäd­chen, augen­schein­lich ohne jeg­li­che Lebens­er­fah­rung queer­fe­mi­nis­tisch daher­theo­re­ti­sie­rend, glau­ben Män­ner für alles und jedes ver­ant­wort­lich machen zu kön­nen — alte wei­ße Män­ner, ver­steht sich.1 Kom­men dage­gen Hun­dert­tau­sen­de jun­ge Män­ner aus mit­tel­al­ter­li­chen Kul­tu­ren ins Land, die schon in ihrer Kind­heit auf eine unter­drück­te, tabui­sier­te, gewalt­tä­ti­ge Sexua­li­tät kon­di­tio­niert wur­den, ver­fällt die­se Art von kämp­fe­ri­scher Femi­nis­tin in eine merk­wür­di­ge Kanin­chen­star­re, in der sie unfä­hig ist, auch den krank­haf­tes­ten Frau­en­hass und die damit ver­bun­de­nen Ver­let­zun­gen der Wür­de von Frau­en auch nur im Ansatz zu the­ma­ti­sie­ren.2

Gele­gent­lich taucht die Ansicht auf, ins Extrem gestei­ger­te Kam­pa­gnen wie #metoo wür­den unbe­dacht die sexu­el­len Frei­hei­ten gefähr­den, die vor­he­ri­ge Frau­en­gene­ra­tio­nen gera­de erst erstrit­ten hat­ten. Das stimmt zwar, aber es geschieht nicht unbe­wusst und neben­her, son­dern gewollt und absicht­lich. Wir steu­ern unge­bremst auf eine Gesell­schaft ähn­lich der des Vik­to­ria­nis­mus zu, in der man angeb­lich sogar die geschwun­ge­nen Bei­ne von Kla­vier­flü­geln ver­hüll­te, um kei­ne obszö­nen Gedan­ken zu pro­vo­zie­ren.3 Doch anders als im Eng­land des 19. Jh. geht es heu­te nicht mehr nur aus­schließ­lich um eine beson­ders kras­se Form puri­ta­ni­scher Hyper­mo­ral. Zu den regu­la­to­ri­schen Absich­ten des Staa­tes und der Unter­drü­ckung durch Reli­gi­on gesel­len sich in bes­ter Ein­ver­nehm­lich­keit der kapi­ta­lis­ti­sche Waren­fe­ti­schis­mus, sowie ver­schie­de­ne tota­li­tä­re Ideo­lo­gi­en4 hin­zu, die von der For­mung eines neu­en, qua­si rei­nen Men­schen träu­men, des­sen Hal­tung und Gesin­nung nicht nur unbe­fleckt von fal­schen Mei­nun­gen und Gedan­ken ist, son­dern auch von unkon­trol­lier­ba­ren Fan­ta­si­en und Begier­den. Wenn wir die­se vier als getrenn­te Akteu­re per­so­ni­fi­zie­ren, so ver­eint sie die Über­zeu­gung, dass Sexua­li­tät nicht als glück­brin­gend, berei­chernd, lebens­be­ja­hend, gesund, natür­lich usw. betrach­tet wer­den darf, son­dern als eine Gefahr, die ver­schie­de­nen Sicher­heits­dok­tri­nen und Kon­trol­len zu unter­wer­fen ist oder gar als Krank­heit oder Patho­gen, die oder das man aus­mer­zen muss. Der Kapi­ta­lis­mus bil­det da eine gewis­se Aus­nah­me von der Regel, da er nicht auf die Unter­drü­ckung oder Eli­mi­nie­rung von Sexua­li­tät abzielt, son­dern auf deren Ver­wer­tung. Der sexu­el­le Akt zwi­schen zwei oder meh­re­ren Men­schen bedarf kei­ner kapi­ta­lis­ti­schen Ver­mitt­lung und ist daher dem kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tem suspekt. Der "Markt" ver­langt zwin­gend danach, jeden Bereich des mensch­li­chen Lebens in Pro­fit zu ver­wan­deln. Sich lie­ben­de und sexu­ell begeh­ren­de Men­schen tun ver­rück­te Din­ge. Sie sind schlech­te Arbeits­skla­ven, abge­lenkt, unge­hor­sam und stel­len ande­re Wer­te in den Mit­tel­punkt ihres Han­delns. Sie müs­sen daher von ihrem Begeh­ren ent­frem­det und der "sym­bo­li­schen Ver­mitt­lung" der "Tota­li­tät" unter­wor­fen wer­den.5 Statt auf eine befrie­di­gen­de Art und Wei­se mei­ne Lust aus­zu­le­ben, kau­fe ich mir frus­triert als Ersatz ein neu­es Han­dy oder das zwölf­te Paar Schu­he. Sah­ne­tor­te, Hand­ta­schen oder Akti­en gehen auch. Die unge­fil­ter­te, unver­mit­tel­te und nicht sym­bol­haf­te Begeg­nung mit Men­schen wird durch die Begeg­nung mit Waren ersetzt.6

Man muss sich außer­dem ver­ge­gen­wär­ti­gen, dass der vir­tu­el­le Raum der per­fek­te Ort der Ent­frem­dung von sich selbst ist. Ich weiß, das wird den Net­z­en­thu­si­as­ten und Digi­tal Nati­ves nicht gefal­len. Bey schreibt in "Grenz­ver­let­zun­gen": "Der vir­tu­el­le Raum schlägt vor, dass das Leben nicht im Kör­per, son­dern im Geist sei. Und der Geist ist ... unbe­rührt." Viel­leicht ist hier das eigent­li­che Pro­blem der nach­wach­sen­den Genera­tio­nen ange­sie­delt, deren Leben von klein auf auch im Vir­tu­el­len statt­fin­det. Die vir­tu­el­le Exis­tenz ist gefahr­los, nicht­in­fek­ti­ös, irre­al, anonym, meta- oder ase­xu­ell und bie­tet eine gan­ze Rei­he sym­bo­li­scher Ver­mitt­lun­gen an, nach denen unse­re Frus­tra­ti­on so drin­gend ver­langt.7 Mit nur wenig Auf­wand kann ich sie zudem so fil­tern, dass mir dar­in nichts Uner­war­te­tes, Feind­li­ches oder Erschre­cken­des mehr begeg­net. Die sprich­wört­li­che Fil­ter­bub­ble der vir­tu­el­len Nischen und Platt­for­men wird so in einem schlei­chen­den Pro­zess infan­ti­ler Regres­si­on zum Ute­rus, in dem ich wie­der Fötus sein darf — warm, weich, abge­grenzt und sicher. Wer­de ich dar­in gestört und sei es auch nur durch ein fal­sches Wort ("Hass­re­de"), reagie­re ich wie ein klei­nes ver­zo­ge­nes Kind mit stör­ri­scher Aggres­si­on. Die­se Aggress­si­on kann sich in vol­ler Wucht aus­le­ben und ent­la­den, weil sie eben­falls vir­tu­ell bleibt. Auf offe­ner Stra­ße sich gegen einen bru­ta­len Ver­ge­wal­ti­ger zu weh­ren, erfor­dert Mut und Kraft. Im Netz her­um­zu­plär­ren, erfor­dert nicht mehr als einen pas­sen­den Hash­tag.

Das all­täg­li­che Leben mit sei­nen Unwäg­bar­kei­ten fin­det jedoch hier statt, nicht hoch­ge­la­den in die Clouds und Netz­wer­ke. Alle oben genann­ten Akteu­re erset­zen das Blut in den Adern ihrer ver­un­si­cher­ten Zög­lin­ge durch Angst. Der Staat erzeugt Kon­trol­le durch die Angst vor (juris­ti­scher) Stra­fe und sozia­lem Abstieg. Die Reli­gi­on bie­tet ein gan­zes Arse­nal an Ängs­ten, Höl­len und Ver­damm­nis an, falls man nicht gewillt ist, sich dem "Wil­len Got­tes" zu unter­wer­fen. Im Kapi­ta­lis­mus wer­den die Men­schen durch die Angst vor Aus­gren­zung aus der schö­nen bun­ten Waren­welt getrie­ben. Angst ist hier immer Ver­lust — Ver­lust an Eigen­tum, Sta­tus, Geld, Macht, Leis­tungs­ver­mö­gen. Tota­li­tä­re Ideo­lo­gi­en schliess­lich bie­ten kol­lek­ti­vis­ti­sche Ängs­te an, Ver­ban­nung aus der schüt­zen­den Mas­se, Angst das Fal­sche zu den­ken, Angst nicht ange­passt genug zu sein, Angst vor Über­wa­chung und Denun­zia­ti­on. Die­se Ängs­te, feh­len­de Selbst­wahr­neh­mung, über­stei­ger­tes Iden­ti­täts­den­ken bei gleich­zei­ti­ger iden­ti­tä­rer Ver­un­si­che­rung, die Wei­ge­rung erwach­sen zu wer­den und für sich selbst Ver­ant­wor­tung zu über­neh­men — all das führt dazu, dass jedes Kom­pli­ment und jeder Kon­takt­ver­such (und sei er auch noch so schüch­tern oder töl­pel­haft) nun als Fron­tal­an­griff und Grenz­über­schrei­tung ange­se­hen wer­den. "Die Gren­ze ist kei­ne Haut, die gestrei­chelt wer­den kann, sie ist eine Bar­rie­re."8 Sie trotz­dem zu berüh­ren, bedeu­tet eine Ver­let­zung, ein Ver­bre­chen, eine Kriegs­hand­lung — kei­nes­falls aber Ver­bin­dung, Lie­be, Har­mo­nie oder Über­ein­kunft. Gesun­de, nor­ma­le, natür­li­che Bezie­hun­gen gibt es nicht mehr. In der femi­nis­ti­schen Dok­trin, die die Deu­tungs­ho­heit über die­se Din­ge bean­sprucht, ist alles Miss­brauch. Jeder übt Miss­brauch aus oder kann zum Opfer von Miss­brauch wer­den.9

In der neu­en Gesell­schaft von heu­te mit ihrem dicho­to­mi­schen Hang zur tech­no­kra­ti­schen Ratio­na­li­tät auf der einen Sei­te und einer aus­ufern­den, angst­be­setz­ten Irra­tio­na­li­tät auf der ande­ren Sei­te ist das Unbe­wuss­te zu einer Art Irr­glau­ben gewor­den. Damit ist auch die Ver­drän­gung ins Unbe­wuss­te ver­drängt wor­den und hat einer fal­schen Pseu­do-Ver­nunft Platz gemacht, die ihren per­fek­ten Aus­druck in ver­schie­de­nen "rich­ti­gen" Gesin­nun­gen fin­det. Der tota­li­tä­re Zeit­geist glaubt allen Erns­tes, die kor­rek­te ideo­lo­gi­sche Über­zeu­gung über die Bio­lo­gie stel­len zu kön­nen.10 Wir fin­den hier die Par­al­le­le zur Reli­gi­on, die den ein­zig wah­ren und allein­se­lig­ma­chen­den Glau­ben über die schnö­de mate­ri­el­le Exis­tenz und leben­di­ge Erfah­rung des Ein­zel­nen stellt. Aber das Unbe­wuss­te ist per defi­ni­tio­nem dem Bewusst­sein und daher auch der "Ver­nunft" ent­zo­gen. Es kann nicht ver­nünf­tig gere­gelt wer­den. Die büro­kra­ti­sche Ver­wal­tung von Sexus und Eros läuft regel­mäs­sig ins Lee­re.11 Der Gedan­ke, man könn­te ero­ti­sche und sexu­el­le Bezie­hun­gen zwi­schen Men­schen auf der Grund­la­ge von Ein­ver­ständ­nis­er­klä­run­gen und Ver­trä­gen regeln, ist dumm, absurd und wider­spricht jeg­li­cher Lebens­er­fah­rung. Gera­de Ero­tik wird ja durch das Unbe­stimm­te, Vage und Schwe­ben­de erst erzeugt. Sie besteht aus Andeu­tun­gen, bild­haf­ten und poe­ti­schen Ver­spre­chun­gen, Ver­su­chun­gen und Ver­lo­ckun­gen, emo­tio­na­len und phy­si­schen Signa­len jen­seits der Spra­che. Bevor wir uns auf irgend­ei­nen Para­gra­phen ver­stän­di­gen könn­ten, ist der Ent­schei­dungs­pro­zess im Unbe­wuss­ten längst abge­schlos­sen. Wie und wofür wir uns ent­schei­den, dafür sind wir selbst ver­ant­wort­lich. Aber es ist natür­lich ein­fa­cher, nach Staat, Geset­zen und anti­dis­kri­mi­nie­ren­den Initia­ti­ven zu schrei­en, als sich ein­zu­ge­ste­hen, dass man ein­fach nur in die Sch... gegrif­fen hat.

Zwei­tau­send Jah­re bra­chia­le sexu­el­le Repres­si­on durch die mono­the­is­ti­schen Hoch­re­li­gio­nen hat gezeigt, dass sich der Eros nicht ein­fach so aus­schal­ten und ver­drän­gen lässt. Der Preis, den man für den Ver­such bezahlt, ist hoch. Unter­drück­te Sexua­li­tät erzeugt Scha­ren von Dämo­nen, deren Kräf­te gan­ze Gesell­schaf­ten ins Wan­ken gebracht haben. Das Psy­cho­pa­tho­lo­gi­sche fei­ert über­all dort fröh­li­che Urständ, wo das Natür­li­che nicht wohl gelit­ten ist. Wäh­rend man in der Vik­to­ria­ni­schen Epo­che den Anblick eines weib­li­chen Unter­schen­kels für abso­lut sünd­haft und inak­zep­ta­bel hielt, konn­ten sich die begü­ter­ten Gen­tle­man in den Armen­vier­teln der Städ­te an jeder Haus­ecke Mäd­chen jeden Alters für ihr Ver­gnü­gen kau­fen.12 Wäh­rend für eine gestan­de­ne Poli­ti­ke­rin unse­rer Tage die Zuschrei­bung "jung und schön" bereits eine erschüt­tern­de Anma­ßung dar­stellt, kann sich ein Groß­teil der Frau­en mitt­ler­wei­le nicht mehr vor­stel­len, ohne Pfef­fer­spray und Alarm jog­gen zu gehen. Dop­pel­mo­ral und Zwie­den­ken. Der "puri­ta­ni­sche Impuls"13, auf Rein­heit und Rei­ni­gung zie­lend, hält den lüs­ter­nen Blick auf eine Frau für Objek­ti­fi­zie­rung und selbst die Andeu­tung eines Bli­ckes in der Kunst14 für sexis­tisch und uner­träg­lich. Gleich­zei­tig wird jedoch eben­so der Blick auf offen­sicht­lichs­te sexu­el­le Gewalt in den Schat­ten ver­drängt. Tritt sie auf, ist sie immer nur Ein­zel­fall, nur von regio­na­ler Bedeu­tung, Bezie­hungs­tat — qua­si zu ver­nach­läs­si­gen. Der Retu­sche von Nackt­heit oder Ero­tik folgt die poli­ti­sche Retu­sche einer gan­zen Gesell­schaft. Das eine kann ohne das ande­re nicht gedacht wer­den. Was nicht sein darf, das nicht sein kann.

Wer halb­wegs nach­den­ken kann, weiß, dass er sich "der unge­heu­ren Unor­dent­lich­keit des Orga­ni­schen"15 nicht ent­zie­hen kann. Schon es zu ver­su­chen, ist ein Akt der Heu­che­lei. Wenn wir den fal­schen Pro­phe­ten fol­gen, die nichts ande­res kön­nen, als ihren Selbst­hass in die Gesell­schaft zu tra­gen, befin­den wir uns auf dem Holz­weg und ent­fer­nen uns ste­tig von unse­rer Frei­heit. Es ist, wie Hakim Bey schreibt, "‚genau‘ hier, in die­sem unge­nau­en Gebiet der Wider­sprü­che und des ‚vul­gä­ren Exis­ten­tia­lis­mus‘, wo der schöp­fe­ri­sche Akt der Auto­no­mie und der Selbst-Ver­wirk­li­chung voll­bracht wer­den muß."16 Solan­ge wir leben, atmen und lie­ben, befreit uns von die­ser indi­vi­du­el­len Auf­ga­be nie­mand — erst­recht nicht die­je­ni­gen, die vor­ge­ben uns befrei­en zu wol­len.
"Der wah­re Fluch der Zivi­li­sa­ti­on ist Ein­för­mig­keit — nicht Ver­ei­ni­gung."17

Der ver­wal­te­te Eros (Teil 1) fin­det sich hier.

Lite­ra­tur:

  • Hakim Bey, Grenz­ver­let­zun­gen, Hadit Ver­lag, Albers­dorf 2004
  • Hakim Bey, Pri­mi­ti­ve und Extro­pi­aner. In: Der Golem Nr. 2, Hadit Ver­lag, Albers­dorf 2000
  • Wal­ter, Mein gehei­mes Leben. Ein ero­ti­sches Tage­buch aus dem Vik­to­ria­ni­schen Eng­land. Haff­mans und Tol­k­e­mitt 2011

Titel­fo­to:
A Poli­ce offi­cer issuing а womаn а ticket for wea­ring a biki­ni on a beach at Rimi­ni, Ita­ly, in 1957. (Quel­le: Twit­ter Histo­ry Lovers Club)

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  1. Ein schö­nes Bei­spiel für die­se Genera­ti­on ist Hen­g­a­meh Yag­hoo­bi­fa­rah, z. B. mit Tex­ten wie http://www.taz.de/!5455690/ oder http://www.taz.de/!5474132/ Man beach­te die gera­de­zu reli­giö­se Los­spre­chung von der Sün­de der sexu­el­len Gewalt für "Men of Colour" am Anfang des zwei­ten Arti­kels, da ein Outing die­se "Poli­zei­ge­walt" oder "Depor­ta­tio­nen" aus­set­zen wür­de. Die­ses Para­dig­ma fand bereits sei­ne rea­le Mani­fes­ta­ti­on in Gestalt von Flücht­lings­hel­fe­rin­nen, die ver­ge­wal­tigt wur­den, aber die­ses Ver­bre­chen ver­schwie­gen, um kei­ne ras­sis­ti­schen Vor­ur­tei­le zu beför­dern! []
  2. Gegen­über der eige­nen Über­zeu­gung und Ideo­lo­gie, in die­sem Fall der "Bunt­heit", "Viel­falt" und der zwangs­glo­ba­li­sier­ten Ein­heits­kul­tur tritt der Wert des Lebens rea­ler Frau­en in den Hin­ter­grund. []
  3. Angeb­lich des­halb, weil dies wohl doch nicht his­to­risch nach­weis­bar ist, was der ver­brei­te­ten Prü­de­rie kei­nen Abbruch tat. Gesi­chert ist dage­gen, dass man das Wort leg (Bein) ver­mied und lie­ber limb (Glied­ma­ße) dafür benutz­te. Sie­he hier. []
  4. Wie so oft unter­schei­det sich die ganz weit rechts ste­hen­de Ideo­lo­gie nicht wirk­lich von der ganz weit links. []
  5. Begrif­fe, die Hakim Bey in sei­nem Sys­tem des onto­lo­gi­schen Anar­chis­mus immer wie­der benutzt. Tota­li­tät beschreibt die Gesamt­heit der mani­pu­la­ti­ven Mecha­nis­men (beson­ders im Medi­en­be­reich), die die gegen­wär­ti­ge Ent­frem­dung und Unfrei­heit des Men­schen erzeu­gen und zu kom­mer­zi­el­len Zwe­cken wei­ter aus­bau­en. Die Situa­tio­nis­ten der 68iger Bewe­gung nann­ten dies tref­fend „Spek­ta­kel“. In „Invo­lu­ti­on“ schreibt Bey: „Die Tota­li­tät iso­liert Indi­vi­du­en und macht sie kraft­los, indem sie nur illu­sio­nä­re Modi des sozia­len Aus­drucks anbie­tet, Modi, die schein­bar Befrei­ung und Erfül­lung ver­spre­chen, aber letzt­lich nur mehr Ver­mitt­lung und Ent­frem­dung erzeu­gen.“ Die sym­bo­li­sche Ver­mitt­lung (im Ori­gi­nal sym­bo­lic media­ti­on) beschreibt in die­sem Zusam­men­hang Erschei­nun­gen und Akte, durch die eine leben­di­ge, krea­ti­ve Exis­tenz zu einem „Abklatsch“ ihrer selbst wird. Sol­che Akte sind meist media­ler, simu­la­ti­ver und kon­sum­ori­en­tier­ter Art. Schein statt Sein. []
  6. Die­se Ware kann jedoch, wie im Fal­le der Pro­sti­tu­ti­on, auch wie­der ein Mensch sein. []
  7. Com­pu­ter­spie­le, sozia­le Netz­wer­ke, Foren, Online-Shops, Por­no­gra­fie ... []
  8. Hakim Bey, Grenz­ver­let­zun­gen []
  9. "Miß­brauch ist uni­ver­sell. Es gibt nur Miß­brauch." — Bey, Eben­da []
  10. Die soge­nann­te "Gen­der­wis­sen­schaft" oder Gen­der Main­strea­ming ist nichts ande­res. []
  11. Oder um mit Ador­no zu spre­chen: "Ers­ter und ein­zi­ger Grund­satz der Sexu­al­ethik: Der Anklä­ger hat immer unrecht." Es soll­te dabei ein­leuch­ten, dass Ador­no nicht den Anklä­ger in einem Gerichts­pro­zess gegen einen Sexu­al­ver­bre­cher meint, son­dern den mora­li­schen Anklä­ger. []
  12. Die aus­ufern­de Pro­sti­tu­ti­on in die­ser Zeit, die auf­grund der Armut auch vor Kin­dern nicht halt mach­te, ist heu­te his­to­risch gesi­chert. Pas­sen­de Lek­tü­re dazu: Wal­ter, Mein gehei­mes Leben. []
  13. Hakim Bey, Pri­mi­ti­ve und Extro­pi­aner []
  14. sie­he den Fall des Gom­rin­ger-Gedichts an der Ali­ce-Salo­mon-Hoch­schu­le in Ber­lin []
  15. Bey, Grenz­ver­let­zun­gen. Im Ori­gi­nal mes­sy, was auch soviel wie Schmudd­lig­keit bedeu­tet. Der voll­stän­di­ge Satz lau­tet: "Das Leben – und der Kör­per – sind ‚vol­ler Löcher‘, durch­dring­bar, gro­tesk – ad hoc-Kon­struk­tio­nen, die bereits von einem unsau­be­ren Empi­ri­zis­mus kom­pro­mit­tiert, dem ‚Getrie­ben­wer­den‘, dem ‚Rela­ti­vis­mus‘ anheim­ge­ge­ben sind und der unge­heu­ren Unor­dent­lich­keit des Orga­ni­schen." []
  16. Bey, Grenz­ver­let­zun­gen []
  17. Bey, Eben­da []

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