Franks SchreibBlog
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Gesellschaft

Die formatierte Stadt

Warum ein Gestaltungshandbuch Jena ärmer macht

Die Deutschen sind für ihre übertriebene Ordnungs- und Regelungswut berüchtigt. Dabei wird nicht selten das Gegenteil von dem bewirkt, was man vorgibt zu wollen. So hat sich die Stadt Jena eines schönen Tages ein sogenanntes Gestaltungshandbuch verordnet, die formatio jenensis. Der „Standard für die Gestaltung des öffentlichen Raumes“ ist in „Konzept, Inhalt und Gestaltung“ ein Werk jenes Stadtarchitekten, der mittlerweile vielen Jenaer Bürgern ein Begriff sein dürfte. Das Ansinnen wurde bereits am 18.09.2008 im Stadtentwicklungsausschuss mit 6 Ja-Stimmen und 3 Enthaltungen beschlossen und als fertiges Werk im September 2012 in einer Berichtsvorlage dem Ausschuss vorgetragen. In der Vorlage wird festgelegt, dass das Gestaltungshandbuch „als verwaltungsinterne Arbeitsgrundlage durch die zuständigen Fachbereiche und Eigenbetriebe genutzt werden“ soll. Wie man an dieser Formulierung leicht erkennen kann, wurde damit den Stadträten eine eigentlich beschlusswürdige Vorschrift für das Verwaltungshandeln in eine Berichtsvorlage gepackt und untergejubelt.

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Hopfen und Malz verloren

42 Parteien treten zur Bundestagswahl 2017 an. Und was macht die deutsche Fernsehnation? Sie zieht sich begierig ein „Duell“ der beiden Kanzlerkandidaten der Regierungskoalition rein, die seit Jahren am Ruder ist und die man eigentlich direkt für das verantwortlich machen müsste, was schiefläuft. Was erwartet man da zu sehen und zu hören? Was Frau Merkel zum Frühstück isst? Wie es beim Wanderurlaub in den Bergen war? Oder von Herrn Schulz, was er mit seiner ganzen Kohle aus all den fetten EU-Parlamentsjahren so anstellt? Ich meine, außer grinsend wie ein Kasper durchs Land zu fahren und für „Gerechtigkeit“ und eine „Reform der EU“ zu werben? Gleichzeitig meinen 76 % der Bundesbürger, dass die Wahl eigentlich schon entschieden sei, 60 % glaubt obendrein nicht, dass sich die meisten Deutschen derzeit einen Wechsel in der Regierung wünschen. Obwohl sich fast die Hälfte gleichzeitig noch nicht entschieden hat, wen sie denn wählen will, scheint das im Kopf keinen logischen Widerspruch aufzumachen. Irgendwo habe ich auch gelesen, dass ein nicht unerheblicher Anteil der Wähler denkt, sie würden bei der Bundestagswahl auch den Kanzler direkt wählen. Was ist nur aus dem Volk der Dichter und Denker geworden?

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Verrannt.

Ein Kommentar zum Terroranschlag von Barcelona

Lange habe ich überlegt, ob ich etwas dazu schreibe. Da geistert dieses Foto durch die Netzwerke. Ein totes Kind liegt auf der Straße in Barcelona. Etwas entfernt daneben eine Frau, vielleicht seine Mutter. Möglicherweise ist es der bisher vermisste australische Junge, von dem jetzt in den Medien die Rede ist. Er war sieben Jahre alt. Es ist entsetzlich. Nein, ich kann dieses Foto nicht verlinken oder verbreiten, ich vermag es kaum anzusehen. Ich habe selbst eine kleine Tochter. Das Leid, verursacht von religiösen Fanatikern, ist unvorstellbar. Wie kann man sich jemals an so etwas gewöhnen? Diese Beschwichtigungen, diese Beruhigungsappelle, diese Beteuerungen und dieses Ignorieren der Realität, all das verursacht mir Übelkeit. Ebenso die vorgestanzten Beileidsfloskeln der Politiker, die eingeübten betroffenen Gesichter, die Statements vor den Mikrofonen und in den sozialen Netzwerken. Habt ihr diesen Jungen nicht gesehen? Wisst ihr auch nichts von dem 35-jährigen Vater, der sich vor seine zwei Kinder geworfen und sie mit seinem eigenen Tod gerettet hat? Warum tretet ihr nicht ein paar Schritte zurück, senkt den Kopf und haltet den Mund? Wie kann man dazu etwas Beliebiges schwafeln wollen? Seid ihr von Sinnen?

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Jägermeister und der Wahlkampf

Letztes Wochenende war ich mit Freunden auf dem SonneMondSterne-Festival an der Bleilochtalsperre bei Saalburg und habe mich dort zusammen mit 35.000 anderen Party-People an elektronischer Musik erfreut. Es gäbe eine ganze Reihe spannender Fragen, die man im Zusammenhang mit dieser #smsxxi diskutieren könnte. Zum Beispiel wie lange man in Gummistiefeln tanzen kann, warum es diesen Sommer eigentlich immer und überall regnen muss, wenn man mal was Wichtiges vorhat oder was ein Dinosaurier wie ich überhaupt auf einem Elektro-Festival mit Durchschnittsalter 20 zu suchen hat, hehe … Stattdessen möchte ich mich jedoch erstens dem Thema Jägermeister und zweitens Wahlplakaten widmen. Was die miteinander zu tun haben? Mehr als man denkt.

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Der Öko-Bonus für Radfahrer

Ich fahre eigentlich ganz gern mal Rad. Allerdings nutze ich es weniger als alltägliches Fortbewegungsmittel, sondern mehr in meiner Freizeit. Aus organisatorischen und beruflichen Gründen bin ich täglich mehr mit dem Auto unterwegs. Hadmut Danisch berichtet in einem aktuellen Blogbeitrag von seinen eher unangenehmen Erlebnissen mit Berliner Radfahrern. Seit geraumer Zeit mache ich in meiner Heimatstadt Jena ähnlich drastische Erfahrungen. Mir spukt das Ganze desöfteren im Kopf herum, da es einige offene Fragen gibt, die scheinbar niemand beantworten möchte – etwa die, ob Radfahrer sich in Deutschland nicht (mehr) an die Straßenverkehrsordnung halten müssen.

Die Probleme gingen für mich los, als ich vor etwa 2 Jahren gegen acht Uhr abends mit einem Radfahrer kollidierte, der ungebremst und ohne sich zu vergewissern zwischen zwei Hecken (für Jenaer: vorm Volkshaus) direkt vor meinem Auto auf die Straße fuhr. Ich ging auf die Eisen, erwischte ihn trotzdem, aber glücklicherweise nicht besonders schwerwiegend. Mein Herzschlag raste, ich stieg aus, stellte fest, dass dem Mann nicht viel passiert war, aber umso mehr meinem Auto. Da er sämtliche Regeln des Straßenverkehrs missachtet hatte, war für mich klar, dass hier eine polizeiliche Unfallaufnahme unabdingbar war. Also fuhr ich mein Auto zur Seite, um den Verkehr nicht zu blockieren. Als ich ausstieg und mich umdrehte, war der Radfahrer weg. Die Polizei, die ich anrief, hatte keine Lust sich damit zu befassen. Ich könnte ja auf die Dienststelle kommen, um Anzeige zu erstatten. Auf dem Blech- und Lackschaden am Auto blieb ich selber sitzen.

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