Franks SchreibBlog
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Erfurt – Weimar – Jena

„Überheblichkeit ist der sicherste Weg zum Scheitern.“ (William Butler Yeats)

Im kleinen, aber sympathischen Bundesländchen Thüringen leben nur 2,1 Mio. Menschen. Rund ein Fünftel davon konzentriert sich auf die Städte Erfurt, Weimar und Jena, die (zusammen mit Eisenach und Gera) an der Bundesautobahn A4 aufgereiht die thüringische Städtekette bilden. In der Serie „Das neue Glück im Osten“ befragte Die Zeit vor kurzem mehr oder weniger prominente Leute zu Erfurt. Die ersten beiden Fragen lauteten: Wer ist neidisch auf Erfurt? und „Worauf ist Erfurt neidisch?“ Neid, gepaart mit Konkurrenzdenken und einer gehörigen Prise Arroganz und Größenwahn ist nicht nur das Problem von Erfurt, sondern auch von Weimar und Jena, denen das Provinzielle noch viel mehr als der Landeshauptstadt anhaftet. Eingebettet in den durch und durch ländlichen Raum eines eher unbedeutenden Bundeslandes ist das Potential, zu bedeutenden Metropolen zu mutieren, leider gering. Die Folge ist eine Art kommunaler Minderwertigkeitskomplex, der – psychoanalytisch gesehen – zu Ersatz- und Übersprungshandlungen führt, die nicht selten skurrile und amüsante Züge annehmen. Sehen wir uns doch mal einige davon an. (mehr …)

Kein Selfie mit Obdachlosen

Jeder, der hin und wieder etwas von mir liest, wird mitbekommen haben, dass ich langjähriger Einwohner der #Lichtstadt Jena bin, die angesichts der überbordenden Probleme im Land mittlerweile einem neuen Tal der Ahnungslosen gleicht. Neulich ist mir am frühen Morgen auf dem Innenhof meiner Arbeitsstätte ein Obdachloser aufgefallen, der hier offenbar genächtigt hatte und gerade seine Habseligkeiten auf ein Fahrrad packte. Ich erinnerte mich wieder daran, als ich das Interview mit unserem Oberbürgermeister Albrecht Schröter im Radio (anlässlich des Gauck-Besuchs in Jena) hörte, der meinte, selbst Obdachlosigkeit wäre in unserer Stadt kein Problem und für die in Frage kommenden Personen würden ja ausreichend Schlafgelegenheiten bereit stehen. Man sieht halt immer nur das, was man sehen will. Während regelmässiger Aufenthalte in Berlin in den letzten Jahren musste ich leider beobachten, dass Obdachlose in unserer Hauptstadt keineswegs eine Seltenheit sind. Am letzten Wochenende sah ich einen Obdachlosen unter der Autobahnbrücke Schönefeld-Nord, der bei klirrender Kälte dicht neben einer vielbefahrenen Straße in einem Zelt haust. Zu anderen Jahreszeiten stolpert man am Kiehl-, Weigand- oder Maybachufer und am Landwehrkanal alle paar Meter über einen „Nichtseßhaften“. Die meisten bieten keinen schönen Anblick und mit Romantik einer Übernachtung unterm Sternenzelt hat das Ganze auch nichts zu tun. Selbst in unmittelbarer Nähe des Regierungsviertels reiht sich an der Spree Zelt an Zelt, ohne dass nebenan jemand Bauchschmerzen bei diesem Anblick bekommen würde. Auch hat man noch nie unsere Bundeskanzlerin gesehen, die dort ein Selfie mit Obdachlosen gemacht und „Wir schaffen das!“ verkündet hätte. (mehr …)

Die Schaufensterstadt

Zu Beginn der kommunalpolitischen Sommerpause in Jena ist mir gestern der Kragen geplatzt. Medienberichte, Informationen und persönliche Erlebnisse kulminierten in einer Art und Weise, dass ich mich – schon an vieles gewöhnt in dieser Stadt – richtig aufregte. Es begann mit der Meldung, dass ab 2017 die Nahverkehrspreise des VMT erneut angehoben werden. Unfassbar! Hatten wir nicht gerade erst eine Erhöhung bis an die psychologische Schmerzgrenze von 2 Euro für einen Einzelfahrschein? Wurde nicht im Stadtentwicklungsausschuss bei dieser Beschlussvorlage extra die Option offengelassen, dass sich Jena nicht an der Erhöhung beteiligt, weil diese politisch in der Öffentlichkeit nicht mehr zu vermitteln sei? Letztendlich entschieden sich Ausschuss und Stadtrat nicht dafür, diese Option wahrzunehmen – man ist ja bekanntermaßen auf Gedeih und Verderb an das undemokratische VMT-Konstrukt gebunden – und beschlossen die Erhöhung mit der einschläfernden Rechtfertigung, dass ja die Abo-Tarife gleich blieben. Ja schon, aber nur ein paar Monate. Ab 2017 geht es erneut nach oben, wie es heißt um 2,7 %. Dies ist jedoch ein gemittelter Wert, sodass nicht so auffällt, dass die Erhöhung bei einzelnen Tarifangeboten viel gravierender ausfällt, beispielsweise beim verbundweiten AboMobil65, das gleich mal um 3 Euro angehoben und von denjenigen genutzt wird, die nicht unbedingt zu den finanzstarken Mitgliedern dieser Gesellschaft zählen. (mehr …)

Liebe Grüne in Jena …

… Ihr macht es den Bürgern dieser Stadt wirklich nicht leicht, Euch gern zu haben. Und das ist echt noch wohlwollend ausgedrückt. Aber das – erst jetzt von mir entdeckte – Statement Eurer Stadtratsfraktion zu den Baumfällungen am Johannisplatz haut jedem Faß den Boden aus. Was wollt Ihr uns allen damit sagen? Ist das jetzt Reue, Wiedergutmachung, ein Zeichen von Uneinigkeit in Euren Reihen, ein Faschingsscherz oder einfach nur grenzenlose Heuchelei und Scheinheiligkeit?

Im Wahlkampf habt Ihr mit einem Plakat geworben, auf dem „Jeder Baum ist ein Zuhause“ stand. Das war schön zu lesen, hatte aber offenbar keinerlei Konsequenzen. Bei den vorherigen Planungen für ein Einkaufscenter auf dem Eichplatz waren euch die 49 Bäume, die dafür hätten gefällt werden müssen, keine Rede wert. Was die seit Jahren von vielen Bürgern als ärgerlich empfundene Praxis von KSJ angeht, große Stadtbäume durch komplette Kronenkappungen oder übertriebene Starkastverschnitte zu Tode zu „pflegen“, so habe ich von Euch noch nie einen Einspruch gehört. Auch was sonstige Baumfällungen in Jena angeht, beispielsweise am Burgweg oder im Faulloch (vor der „Aufwertung“), sucht man den grünen Widerstand vergebens. (mehr …)

Aufgewertete Plätze

„Die gerade Linie ist ein Werkzeug des Teufels.“
(Friedensreich Hundertwasser)

Im Zuge der Erneuerung eines maroden Abwasserkanals in der Wagnergasse krempelt die Stadt Jena derzeit auch gleich den ganzen Johannisplatz mit um. Nun ist der Johannisplatz nicht irgendein Platz, sondern ein einzigartiges und authentisches Stück Jenaer Stadtgeschichte. Die Begründung dafür, warum man diesen Platz überhaupt verändern muss, findet sich in der entsprechenden Beschlussvorlage des Stadtrats: „Es bestand die Zielstellung in einer einheitlichen Platzwirkung mit der Möglichkeit der universellen Nutzung des öffentlichen Raumes.“ Nun wurde der öffentliche Raum dort auch bisher schon „universell“ genutzt, insbesondere durch Gastronomie, Einzelhandel und verschiedene Verkehrsteilnehmer, vom Fußgänger bis zum Autofahrer. Was sich so ein Stadtarchitekt unter der Worthülse einer „einheitlichen Platzwirkung“ vorstellt, bleibt genauso schleierhaft. Aber weiter im Text: „Die Gestalt und Aufenthaltsqualität sowie die Nutzbarkeit des Platzes und der Wagnergasse sowohl für Verweilende als auch für die Gastronomie und anderer Gewerbetreibender werden erheblich verbessert.“ Die Aufenthaltsqualität auf dem Johannisplatz scheint so schlecht nicht gewesen zu sein, bevölkerten doch in der schönen Jahreszeit Tausende „Verweilende“ die dortigen Biergärten und Kneipen. Das Ziel ist zudem nicht nur eine schlichte Verbesserung, nein es wird sogar „erheblich verbessert“. Wir können uns also auf einen ganz besonderen Qualitätssprung freuen. Einen ersten Eindruck von der Art dieser Verbesserung erhielt man vor dem Baubeginn, als 6 von 9 der dortigen schattenspendenden Stadtbäume gefällt wurden. Sie standen der „Aufwertung“ im Wege. (mehr …)