Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Persönliches

Vielfalt im Dienst der Globalisierung

„Politische Sprache ist dazu geschaffen, Lügen wahrhaft und Mord respektabel klingen zu lassen.“ (George Orwell)

Eines der in letzter Zeit am meisten gebrauchten und verbrauchten medialen Schlagworte ist Vielfalt. Als Mensch, der in einem sozialistischen Einheitspartei-System aufgewachsen ist, kam ich zum ersten Mal nach der Wende mit der Vielfalt westdeutscher Medien und den darin vermittelten politischen Überzeugungen und Lebensentwürfen in Berührung. Der Buch- und Zeitschriftenmarkt erschien mir im Vergleich zur gleichgeschalteten Presse der DDR wie ein sonniges Paradies, durch das man nach Belieben streifen und süße Früchte von den Bäumen pflücken konnte. Ich las zu dieser Zeit querbeet alles was mir in die Finger kam, hauptsächlich Sachbücher über Politik, Philosophie, Religion, Esoterik, Geschichte, Verschwörungstheorien, aber auch den Spiegel, den Stern, die Süddeutsche oder die Zeit. Schon als Jugendlicher hatten mich die offensichtlichen Missstände auf diesem Planeten in eine misanthrope Verzweiflung gestürzt und so war es kein Wunder, dass ich mich nach dem Untergang des real existierenden Sozialismus im politischen Spektrum trotzdem sehr weit links verortete. (mehr …)

Ohne Burka am Tonsee

Am letzten Wochenende verbrachte ich einen wunderschönen spätsommerlichen Tag an einem kleinen Natursee am südlichen Rand von Berlin. Der Tonsee (eigentlich Großer Tonteich – siehe Kommentar unten) in der Nähe von Bestensee (es gibt hier mehrere Seen, wie man sich schon denken kann) liegt idyllisch in ein Waldstück eingebettet und an seinem Ufer befindet sich ein Campingplatz, dessen Name schon sagt, worum es hier vorrangig geht: FKK Naturcamping Tonsee. Das Wetter war herrlich, das Wasser klar und frisch, die Menschen zwar zahlreich, aber entspannt und angenehm. Das nudistische Freizeitvergnügen subsummiert an diesem schönen Ort alle Sorten von Menschen. Hier trifft man vom Kleinkind, das gerade im Wasser planschen kann bis zu nicht mehr ganz so rüstigen Senioren alles an, was man so in die Spezies Mensch einordnen könnte. Natürlich auch viele Familien, pubertierende Jugendliche, Schlanke, Normale und Dicke, hübsche und … ähm … weniger hübsche Menschen, Kinder mit dunkler Haut, dazwischen auch eine Asiatin. Alle wie Gott sie schuf, wie man so schön sagt. Direkt vor uns lagern zwei schwule Männer, von denen der eine sich einen ordentlichen Joint gönnt. Ein paar Meter entfernt lässt sich ein Biker-Pärchen mit großflächigen Tätowierungen auf der Haut nieder. Ältere Damen sprechen die Kinder an und ein gewisses vorlautes Kleinkind resümiert vernehmlich, dass wohl alle Männer hier Pullermänner und alle Frauen Pullerschnecken haben, was wohlwollendes Lachen in seiner Umgebung hervorruft.

Kurzum, man hat das Gefühl, hier ist die Welt in Ordnung, die Menschen können sich trotz ihrer Unterschiedlichkeit gut leiden und es gibt keinen Grund daran etwas zu ändern. Vielleicht liegt das auch daran, dass sich die Badegäste in der Natur und so ganz ohne Kleider frei und unbekümmert fühlen können und das zu schätzen wissen. Das Anderssein des Anderen wird toleriert in dem Wissen, dass man mit seinem eigenen Anderssein ebenso toleriert wird. Und natürlich hat Nacktheit auch etwas Ausgleichendes, denn hier liegt der Manager neben dem Arbeitslosen und die Hausfrau neben der Beamtin und der Montagearbeiter neben dem Programmierer und eigentlich interessiert das gerade mal niemanden. Man erfreut sich an der Vielfalt des Menschseins, an der vielen nackten Haut, an einer natürlichen, völlig unaufdringlichen Erotik, am Wind im raschelnden Laub der Bäume, am kühlen Nass. (mehr …)

Finanzamt kurios

Es ist mir ein inneres Herzensbedürfnis, mal etwas Unterhaltsames aus der gestrengen Welt unserer Finanzverwaltung zu berichten. In habe nämlich in letzter Zeit einem getreuen Beamten – politisch korrekt Beamt_In*x – des Jenaer Finanzamtes so richtig Arbeit verursacht. Zum einen war ich säumig, was die Abgabe meiner Steuererklärung 2014 anbelangt. Aufgrund einer merkwürdigen Neigung zu Unwohlsein und Brechreiz übergebe ich diesen für einen gehorsamen Staatsbürger so sensiblen Vorgang regelmäßig einer Steuerberaterin. Mein Steueraufkommen hält sich überdies in überschaubaren Grenzen und lieber zahle ich das Honorar für die Steuerberaterin, als meine kostbare Zeit mit der lebenswichtigen Frage zu überschatten, welche Paragraphen wie bei mir anzuwenden sind, damit ich nicht gänzlich zum Opfer des gierigen Staatshaushalts werde. Nun schied meine Steuerberaterin wegen frischem Nachwuchs eine Zeit lang aus und ich selbst schob alles so geduldig auf die lange Bank, bis die erste Aufforderung des Finanzamtes eintraf. Zerknirscht ging ich in mich und überlegte, an welcher Stelle des Bundeshaushalts meine Steuern jetzt wohl fehlen würden – und vergaß es gleich wieder. Schließlich hatte ich die Jahre zuvor alles ordnungsgemäß eingereicht und zahlte auch meine Einkommenssteuervorauszahlungen pünktlich. Sicher konnte man in meinen Daten, die mittlerweile von der Schuhgröße bis zur Firefox-Chronik alles enthalten, sehen, dass ich ein kleiner Fisch war und mir ein bisschen Geduld entgegenbringen. Gleichzeitig schob ich meine Kontoauszüge, Einkaufsbelege und Einkommensnachweise zur Steuerberaterin hinüber, die jedoch leider überlastet war und wenig Zeit hatte. Geduld vom Finanzamt zu erwarten, ist nun ungefähr so vernünftig wie Alligatoren vegan ernähren zu wollen. Wahrscheinlich fehlte mein dreistelliger Steuerbetrag schon dringend für die Osterweiterung der NATO oder die Gehaltszahlung von Herrn Schulz in Brüssel. Irgend soetwas musste es jedenfalls sein, denn als nächstes flatterte mir die Androhung eines Strafgeldes in Höhe von 200 Euro ins Haus, verbunden mit einer Frist von einer Woche zur Abgabe meiner Erklärung. Puuuh, da kann einem unbescholtenen Bürger schon mal der Schweiß ausbrechen. (mehr …)

Meine Tochter ist ein Ausländerfeind

Wer es noch nicht weiß, ich habe eine kleine Tochter. Sie lebt in Berlin. Vor kurzem trat die Erzieherin ihrer Kita-Gruppe ganz besorgt an die Mutter heran. Es ging um ein brisantes Thema. Sie möchte keine Probleme mit Ausländerfeindlichkeit in ihrer Gruppe haben. Das Problem verortete sie bei meiner Tochter. Ihr politisch inkorrektes Fehlverhalten besteht darin, dass sie beim Singen nicht neben Ayman stehen möchte, einem syrischen Jungen. Boah Leute, da bleibt einem echt die Spucke weg und mein Blutdruck steigert sich in ungeahnte Höhen. Mein Töchterchen ist drei Jahre alt und weiß nicht, was überhaupt ein Ausländer, Migrant, Flüchtling, Asylant oder was auch immer sein soll. Auf die Frage, warum sie beim Singen nicht neben Ayman stehen möchte, gab es von ihr allerdings eine klare Antwort: Der haut die anderen Kinder und ich habe Angst vor ihm. Ein Interview mit ihrer besten Freundin aus derselben Gruppe ergab das gleiche Ergebnis: Der ist nicht mein Freund. Außerdem erfährt man, dass er kaum deutsch spricht und daher die anderen Kinder nicht versteht. (mehr …)

Shakespeare ist mein Freund

Warum mir die Homöopathie-Aufregung gegen den Strich geht

„Es gibt mehr Ding’ im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.“ – William Shakespeare, Hamlet, 1. Akt, 5. Szene 

Ich schreibe ganz gern mal etwas über Dinge, die einen Bezug zu meinem persönlichen Leben haben – was man von den aufgeregten und nicht selten fanatischen Teilnehmern an der ständig schwelenden Diskussion über Homöopathie nicht gerade behaupten kann. Sehr wahrscheinlich sind die meisten der verbal um sich schlagenden Homöopathie-Kritiker noch nie mit homöopathischen Arzneimitteln in Berührung gekommen oder wollen damit auch gar nicht in Berührung kommen. Ihr Besserwissertum, das von wenig bis gar keiner Lebenserfahrung getragen wird, erinnert mich an die Zwangsbeglückungsvorschläge und -maßnahmen der Grünen, die sich ebenso damit schwertun, irgendjemanden ganz nach eigenem Gusto glücklich werden zu lassen. Nein, man darf nicht eher ruhen, bis man – ganz Zeugen-Jehova-Natur – seine eigene Sichtweise auf die Welt als die einzig wahre und richtige durchgesetzt hat. Ich finde das langweilig, intolerant und armselig. (mehr …)