Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Augen zu und weiter so (Wahlkommentar Teil 2)

Kommen wir nun zu meiner eigenen Partei, den Piraten. Thomas Ney hat mir dazu in seinem Wahlanalyse-Blogbeitrag, den ich hier ausdrücklich zur Lektüre empfehle, schon einige Arbeit abgenommen. 130000 Wähler hatten der Piratenpartei 2011 in Berlin ihre (Zweit-)Stimme gegeben und mit 8,9 % dem politischen Newcomer ein triumphales Ergebnis verschafft. 15 Mandatsträger zogen als Fraktion ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Am Wahlsonntag sind von den knapp 9 % auf einmal nur noch 1,7 % übrig geblieben. Der Wahlkampf war auf vollen Touren gefahren worden, zwischenzeitlich waren Prognosen mit 3 % aufgetaucht, sodass man die Hoffnung hegte, doch noch die 5%-Hürde überspringen zu können. Es gab viel Engagement der Mitglieder und Unterstützung anderer Landesverbände. Trotz des gespaltenen Verhältnisses vieler Parteimitglieder zum Berliner Landesverband richteten sich viele Augen und Hoffnungen auf die Hauptstadt. Angesichts des kürzlichen Parteijubiläums „10 Jahre Piratenpartei“ pflegten viele Aktive eine Mischung aus trotzigen Durchhalteparolen und nostalgisch geprägter Begeisterung, bei der man noch einmal alte Bilder und Erfolge über die sozialen Netzwerke verbreitete. Übrig geblieben ist davon nichts. Es ist außerordentlich wichtig, das einmal unverblümt und in aller Schonungslosigkeit zu sagen. Bis auf einige Außenseiter (Mitglieder und sympathisierendes Umfeld) wählt die Piraten niemand mehr. (mehr …)

Whisky und Piraten

Wer sich eingehender für Whisky interessiert, stolpert in Deutschland unweigerlich irgendwann über The Whisky Store und die Person von Horst Lüning. Er ist mittlerweile so eine Art Youtube-Geheimtipp und produziert in unterhaltsamer Art und Weise Videos am laufenden Band, in denen er vor allem hochwertige Whiskys verkostet, aber auch Wissenswertes über Herstellung, Brennereien und den weltweiten Whisky-Markt vermittelt. Den Youtube-Kanal von The Whisky Store mit rund 1400 Videos verfolgen knapp 26000 Abonnenten. Für einen Mann Jahrgang 1957 und einen erfolgreichen Unternehmer obendrein mag das schon erstaunlich genug sein, aber Horst Lüning hat noch weitere Überraschungen parat. Auf seinem persönlichen Youtube-Kanal veröffentlicht er nämlich einen weiteren Video-Blog, den er Unternehmerblog oder kurz Unterblog nennt. Dort hinterfragt er „alles, was mir in die Quere kommt“ und spricht über eine beachtliche Bandbreite von Themen aus Wirtschaft, Politik, Naturwissenschaft, Technik und Gesellschaft. Obwohl er als promovierter Maschinenbauingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik sicher einiges an Wissen mitbringt, tut er dies nicht als selbsternannter Experte, sondern eher mit einer unübersehbaren Portion an gesundem Menschenverstand und so, wie ihm der Schnabel gerade gewachsen ist. Der Unterblog hat mittlerweile über 6 Mio. Videoaufrufe generiert. Regierung, Staat, Parteien und Politik bekommen da ordentlich ihr Fett weg. Horst Lüning hat nach eigenen Angaben aufgehört fernzusehen und lehnt ebenso jede Einladung ins Fernsehen ab. Jemand, der 2013 die Domain whisky.com für 3,1 Mio $ gekauft hat, muss niemandem nach dem Munde reden. Und so beackert er die Roten, Gelben, Grünen und Schwarzen mit bodenständigem Humor und einer Spur Verachtung und landet – wie ich erstaunt entdeckte – auch irgendwann bei der Piratenpartei. (mehr …)

Abgesang auf Jenapolis

Das wichtigste unabhängige Nachrichtenportal für Jena und seine Umgebung hat sich selbst so oft verändert, bis es faktisch nicht mehr zu benutzen ist. Das ist das bedauerliche Fazit, das man nach erneuten Umgestaltungen leider ziehen muss.

Gern hätte ich die folgenden Gedanken in einem Kommentar auf Jenapolis selbst untergebracht. Aber leider wurde die Kommentarfunktion gesperrt und ist nur noch für der Redaktion bekannte und angemeldete Nutzer mit Klarnamen zugänglich. Die Kontroverse zu Klarnamen auf Jenapolis gab es schon mehrfach, das Ergebnis war jedesmal dasselbe. Es hat kaum noch jemand kommentiert und der Meinungsaustausch kam fast vollständig zum Erliegen. Anonymität ist ein wichtiger Aspekt der Meinungsfreiheit im Internet, erstrecht in diesen Tagen, wo der allzu aufmüpfige oder gar politisch inkorrekt denkende Bürger mit Strafanzeigen, Benachteiligungen, Entlassung oder Shitstorms von selbsternannten Blockwarts rechnen muss. Mit Transparenz – wie von Jenapolis behauptet – hat das wenig bis gar nichts zu tun. Transparenz kann und muss man von Staat, Politik und Verwaltung erwarten dürfen, die Sichtbarmachung der Privatsphäre und der Zugriff darauf stehen dagegen auf einem anderen Blatt. (mehr …)

Profilschärfung

Gedanken zum aktuellen Zustand der Piratenpartei

Profilschärfung ist ein böses Wort. Es klingt irgendwie so neoliberal. Es ist das Wort der Unternehmensberatungen und Marketingstrategen. Man denkt unwillkürlich an scheinheilige politische Taktiken, um Wähler hinters Licht zu führen oder an dubiose Werbefeldzüge, um Konsumenten um ihr Geld zu betrügen. Profilschärfung kommt gleich hinter Leistungsgesellschaft und Markenkern.

Nichtsdestotrotz hat die Piratenpartei derzeit kaum etwas so sehr nötig wie die Schärfung ihres politischen Profils.

Ich werfe einen Blick in meine heutige Twitter-Timeline und filtere den offiziellen Account der Piratenpartei heraus. Unter den ersten 20 Tweets, die ich durchblättere, transportieren 6 das Thema IDAHOT und Homophobie, 5 propagieren die Freigabe von Hanf, es folgt die Mißhandlung von Flüchtlingen in Polizeigewahrsam, mit dem Thema Vorratsdatenspeicherung beschäftigen sich 2 Tweets, Schlagzeilen und Neuigkeiten zum Überwachungs- und Geheimdienstskandal finde ich – zumindest zu diesem Zeitpunkt – unter den Top Twenty nicht.

Es gab mal eine Zeit, da war es so klar wie Kloßbrühe, wofür die Piraten stehen: die Freiheit des Internets, Kampf gegen Überwachung, Schutz der Privatsphäre, Reform des Urheberrechts, Transparenz in Politik und Verwaltung, Bürgerrechte und Bürgerbeteiligung, Offenlegung von Korruption und Machtmissbrauch der Etablierten. Zu diesem Zeitpunkt wehten überall im Land die orangenen Fahnen und zwar so heftig, dass es den anderen Parteien Angst und Bange wurde. Es gab mal eine Zeit, da betrachteten sich die Piraten als vernünftige und pragmatische Alternative zur Scheinheiligkeit der verkrusteten Ideologien und überkommenen Politkonzepte, die den Herausforderungen der digitalen Gesellschaft nicht gewachsen sind. Die Menschen in diesem Land setzten große Hoffnungen in die neue politische Kraft, insbesondere die, die Politik nur noch als Belästigung verstanden und der Demokratie den Rücken gekehrt hatten. (mehr …)

Die Harry-Lauer-Show

Sich auf die offizielle Mailingliste der PIRATEN Thüringen zu verirren, ist ungefähr so, als ob man in einer Großstadt nichtsahnend ein öffentliches Pissoir betritt und in einem Haufen Scheiße ausrutscht. Derjenige, der für die Scheißhaufen verantwortlich ist, heißt Harald Peters, liebevoll Harry genannt. Er ist der Troll der Thüringer Piraten und das schon seit mehreren Jahren, ihr Alptraum, ihre andauernde Toleranzübung, ihr Hass- und Liebesobjekt zugleich. Immer dann, wenn die Mailingliste moderiert wurde, verwarnte und sperrte man ihn für unterschiedlich lange Zeiträume oder warf ihn ganz von der Liste. Aber sobald die Sperrzeit abgelaufen oder die Mailingliste – durch Parteitagsbeschluss – wieder unmoderiert war – erschien auch Harry und stürzte alles erneut ins Chaos. Während langjährige und ernsthaft politisch arbeitende Mitglieder des Landesverbandes ihr Listen-Abo kündigten, die Mailingliste verließen oder sie fortan ignorierten, war Harry die Konstante, die blieb. (mehr …)