Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Leute, die auf Plakate starren

... und mal wie­der nichts kapie­ren.

Zur Zeit kommt der Wahl­kampf für das Amt des Ober­bür­ger­meis­ters in Jena lang­sam in die Gän­ge. Wahl­tag ist der 15. April. Die Stadt hängt nun voll mit Pla­ka­ten der Kan­di­da­ten. Obwohl ich nicht mehr Mit­glied der Pira­ten­par­tei bin, unter­stüt­ze ich aus Über­zeu­gung die Kan­di­da­tin der Jena­er Pira­ten Dr. Heidrun Jän­chen. Heu­te muss­te ich mir im per­sön­li­chen Umfeld anhö­ren, dass man die auf kei­nen Fall wäh­len kann. Ähm, war­um denn nicht? Wie die auf dem Pla­kat schon aus­sieht und über­haupt ... Was denn über­haupt? Tja, da kommt dann schon nichts mehr. Leu­te, die auf Pla­ka­te star­ren und mal wie­der nichts kapie­ren. Ein ganz nor­ma­ler Mensch wie du und ich auf einem Wahl­pla­kat geht nicht. Man miss­traut zwar grund­sätz­lich Poli­ti­kern und möch­te eigent­lich nichts mit denen zu tun haben (okay, da gibt es ein paar hand­fes­te Grün­de dafür), aber auf Wahl­pla­ka­ten möch­te man sie schnie­ke, seri­ös, pho­to­shop-poliert, fal­ten­be­rei­nigt und gut aus­ge­leuch­tet. Der amtie­ren­de OB tritt mit einem Pla­kat an, auf dem er von einem Star­fo­to­gra­fen vor etli­chen Jah­ren schon in Sze­ne gesetzt zu sehen ist. Geschenkt, dass er seit­dem geal­tert ist und nicht mehr ganz so aal­glatt rüber­kommt. Geschenkt, dass es das­sel­be Pla­kat­mo­tiv wie vor Jah­ren schon ist. Der Mann macht was her! Den könn­te man doch wäh­len, oder?

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Adieu Piraten!

I

Für jeman­den, der sich nie vor­stel­len konn­te, mal in eine poli­ti­sche Par­tei ein­zu­tre­ten, ging es 2009 bei mir dann doch erstaun­lich flott. Ich hat­te schon ein paar Mona­te vor­her über einen Arbeits­kol­le­gen (natür­lich IT'ler) von den Akti­vi­tä­ten die­ser omi­nö­sen Pira­ten­par­tei gehört und ver­folg­te seit­dem im Netz spo­ra­disch deren Aktio­nen. Was die da sag­ten und taten, schien so gar nicht in den her­kömm­li­chen Par­tei­en­zir­kus zu pas­sen, der mich als über­zeug­ten Nicht­wäh­ler schon lan­ge ein­fach nur ankotz­te. Beson­ders gefiel mir der Slo­gan "Nicht links, nicht rechts, son­dern vorn!". Da gab es also Leu­te, die das gro­ße Thea­ter­spiel auf der poli­ti­schen Büh­ne ver­stan­den hat­ten und nun die Spiel­ver­der­ber sein woll­ten. Die Pira­ten sahen sich offen­bar mehr als Bür­ger­rechts­be­we­gung und Anti­par­tei­en-Par­tei und waren zudem digi­tal gut ver­netz­te Akti­vis­ten gegen den Über­wa­chungs­staat und für den Schutz der Pri­vat­sphä­re. Es ging auch um die Bekämp­fung von Lob­by­is­mus und Kor­rup­ti­on, um frei­es Wis­sen, ein zeit­ge­mä­ßes Urhe­ber­recht, direk­te Demo­kra­tie und Trans­pa­renz in der Poli­tik. Ich glau­be, mei­ne eige­ne Hoff­nung, dass da end­lich mal eine neue, unbe­las­te­te Kraft das Sys­tem kon­se­quent hin­ter­fra­gen und von innen her­aus angrei­fen und ver­än­dern woll­te, wur­de von vie­len Leu­ten in die­ser Zeit geteilt.

Auf dem Cam­pus der Uni stol­per­te ich wenig spä­ter über einen Info­stand der Pira­ten Jena, an dem Unter­schrif­ten für die kom­men­de Bun­des­tags­wahl gesam­melt wur­den. Ich unter­schrieb und ein paar Tage spä­ter stand ich selbst mit am Stand und sprach Leu­te an. Ich wur­de Par­tei­mit­glied. Mein Leben bei den Pira­ten hat­te begon­nen.

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Augen zu und weiter so (Wahlkommentar Teil 2)

Kom­men wir nun zu mei­ner eige­nen Par­tei, den Pira­ten. Tho­mas Ney hat mir dazu in sei­nem Wahl­ana­ly­se-Blog­bei­trag, den ich hier aus­drück­lich zur Lek­tü­re emp­feh­le, schon eini­ge Arbeit abge­nom­men. 130000 Wäh­ler hat­ten der Pira­ten­par­tei 2011 in Ber­lin ihre (Zweit-)Stimme gege­ben und mit 8,9 % dem poli­ti­schen New­co­mer ein tri­um­pha­les Ergeb­nis ver­schafft. 15 Man­dats­trä­ger zogen als Frak­ti­on ins Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus ein. Am Wahl­sonn­tag sind von den knapp 9 % auf ein­mal nur noch 1,7 % übrig geblie­ben. Der Wahl­kampf war auf vol­len Tou­ren gefah­ren wor­den, zwi­schen­zeit­lich waren Pro­gno­sen mit 3 % auf­ge­taucht, sodass man die Hoff­nung heg­te, doch noch die 5%-Hürde über­sprin­gen zu kön­nen. Es gab viel Enga­ge­ment der Mit­glie­der und Unter­stüt­zung ande­rer Lan­des­ver­bän­de. Trotz des gespal­te­nen Ver­hält­nis­ses vie­ler Par­tei­mit­glie­der zum Ber­li­ner Lan­des­ver­band rich­te­ten sich vie­le Augen und Hoff­nun­gen auf die Haupt­stadt. Ange­sichts des kürz­li­chen Par­tei­ju­bi­lä­ums "10 Jah­re Pira­ten­par­tei" pfleg­ten vie­le Akti­ve eine Mischung aus trot­zi­gen Durch­hal­te­pa­ro­len und nost­al­gisch gepräg­ter Begeis­te­rung, bei der man noch ein­mal alte Bil­der und Erfol­ge über die sozia­len Netz­wer­ke ver­brei­te­te. Übrig geblie­ben ist davon nichts. Es ist außer­or­dent­lich wich­tig, das ein­mal unver­blümt und in aller Scho­nungs­lo­sig­keit zu sagen. Bis auf eini­ge Außen­sei­ter (Mit­glie­der und sym­pa­thi­sie­ren­des Umfeld) wählt die Pira­ten nie­mand mehr. (mehr …)

Whisky und Piraten

Wer sich ein­ge­hen­der für Whis­ky inter­es­siert, stol­pert in Deutsch­land unwei­ger­lich irgend­wann über The Whis­ky Store und die Per­son von Horst Lüning. Er ist mitt­ler­wei­le so eine Art You­tube-Geheim­tipp und pro­du­ziert in unter­halt­sa­mer Art und Wei­se Vide­os am lau­fen­den Band, in denen er vor allem hoch­wer­ti­ge Whis­kys ver­kos­tet, aber auch Wis­sens­wer­tes über Her­stel­lung, Bren­ne­rei­en und den welt­wei­ten Whis­ky-Markt ver­mit­telt. Den You­tube-Kanal von The Whis­ky Store mit rund 1400 Vide­os ver­fol­gen knapp 26000 Abon­nen­ten. Für einen Mann Jahr­gang 1957 und einen erfolg­rei­chen Unter­neh­mer oben­drein mag das schon erstaun­lich genug sein, aber Horst Lüning hat noch wei­te­re Über­ra­schun­gen parat. Auf sei­nem per­sön­li­chen You­tube-Kanal ver­öf­fent­licht er näm­lich einen wei­te­ren Video-Blog, den er Unter­neh­mer­blog oder kurz Unter­blog nennt. Dort hin­ter­fragt er "alles, was mir in die Que­re kommt" und spricht über eine beacht­li­che Band­brei­te von The­men aus Wirt­schaft, Poli­tik, Natur­wis­sen­schaft, Tech­nik und Gesell­schaft. Obwohl er als pro­mo­vier­ter Maschi­nen­bau­in­ge­nieur für Luft- und Raum­fahrt­tech­nik sicher eini­ges an Wis­sen mit­bringt, tut er dies nicht als selbst­er­nann­ter Exper­te, son­dern eher mit einer unüber­seh­ba­ren Por­ti­on an gesun­dem Men­schen­ver­stand und so, wie ihm der Schna­bel gera­de gewach­sen ist. Der Unter­blog hat mitt­ler­wei­le über 6 Mio. Video­auf­ru­fe gene­riert. Regie­rung, Staat, Par­tei­en und Poli­tik bekom­men da ordent­lich ihr Fett weg. Horst Lüning hat nach eige­nen Anga­ben auf­ge­hört fern­zu­se­hen und lehnt eben­so jede Ein­la­dung ins Fern­se­hen ab. Jemand, der 2013 die Domain whisky.com für 3,1 Mio $ gekauft hat, muss nie­man­dem nach dem Mun­de reden. Und so beackert er die Roten, Gel­ben, Grü­nen und Schwar­zen mit boden­stän­di­gem Humor und einer Spur Ver­ach­tung und lan­det — wie ich erstaunt ent­deck­te — auch irgend­wann bei der Pira­ten­par­tei. (mehr …)

Abgesang auf Jenapolis

Das wich­tigs­te unab­hän­gi­ge Nach­rich­ten­por­tal für Jena und sei­ne Umge­bung hat sich selbst so oft ver­än­dert, bis es fak­tisch nicht mehr zu benut­zen ist. Das ist das bedau­er­li­che Fazit, das man nach erneu­ten Umge­stal­tun­gen lei­der zie­hen muss.

Gern hät­te ich die fol­gen­den Gedan­ken in einem Kom­men­tar auf Jen­a­po­lis selbst unter­ge­bracht. Aber lei­der wur­de die Kom­men­tar­funk­ti­on gesperrt und ist nur noch für der Redak­ti­on bekann­te und ange­mel­de­te Nut­zer mit Klar­na­men zugäng­lich. Die Kon­tro­ver­se zu Klar­na­men auf Jen­a­po­lis gab es schon mehr­fach, das Ergeb­nis war jedes­mal das­sel­be. Es hat kaum noch jemand kom­men­tiert und der Mei­nungs­aus­tausch kam fast voll­stän­dig zum Erlie­gen. Anony­mi­tät ist ein wich­ti­ger Aspekt der Mei­nungs­frei­heit im Inter­net, erst­recht in die­sen Tagen, wo der all­zu auf­müp­fi­ge oder gar poli­tisch inkor­rekt den­ken­de Bür­ger mit Straf­an­zei­gen, Benach­tei­li­gun­gen, Ent­las­sung oder Shit­s­torms von selbst­er­nann­ten Block­warts rech­nen muss. Mit Trans­pa­renz — wie von Jen­a­po­lis behaup­tet — hat das wenig bis gar nichts zu tun. Trans­pa­renz kann und muss man von Staat, Poli­tik und Ver­wal­tung erwar­ten dür­fen, die Sicht­bar­ma­chung der Pri­vat­sphä­re und der Zugriff dar­auf ste­hen dage­gen auf einem ande­ren Blatt. (mehr …)