Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Die Harry-Lauer-Show

Sich auf die offi­zi­el­le Mai­ling­lis­te der PIRATEN Thü­rin­gen zu ver­ir­ren, ist unge­fähr so, als ob man in einer Groß­stadt nichts­ah­nend ein öffent­li­ches Pis­soir betritt und in einem Hau­fen Schei­ße aus­rutscht. Der­je­ni­ge, der für die Scheiß­hau­fen ver­ant­wort­lich ist, heißt Harald Peters, lie­be­voll Har­ry genannt. Er ist der Troll der Thü­rin­ger Pira­ten und das schon seit meh­re­ren Jah­ren, ihr Alp­traum, ihre andau­ern­de Tole­ranz­übung, ihr Hass- und Lie­bes­ob­jekt zugleich. Immer dann, wenn die Mai­ling­lis­te mode­riert wur­de, ver­warn­te und sperr­te man ihn für unter­schied­lich lan­ge Zeit­räu­me oder warf ihn ganz von der Lis­te. Aber sobald die Sperr­zeit abge­lau­fen oder die Mai­ling­lis­te — durch Par­tei­tags­be­schluss — wie­der unmo­de­riert war — erschien auch Har­ry und stürz­te alles erneut ins Cha­os. Wäh­rend lang­jäh­ri­ge und ernst­haft poli­tisch arbei­ten­de Mit­glie­der des Lan­des­ver­ban­des ihr Lis­ten-Abo kün­dig­ten, die Mai­ling­lis­te ver­lie­ßen oder sie fort­an igno­rier­ten, war Har­ry die Kon­stan­te, die blieb. (mehr …)

Das Schuchardt-Phänomen

Einen Tag nach der Kom­mu­nal­wahl fah­re ich mei­nen täg­li­chen Arbeits­weg von Lobe­da ins Stadt­zen­trum — und rei­be mir die Augen. Kann das mög­lich sein? Qua­si über Nacht hat sich die Schwem­me an Schu­chardt-Pla­ka­ten, die in den letz­ten Wochen in fast uner­träg­li­cher Wei­se die gan­ze Stadt über­zo­gen hat, in Nichts auf­ge­löst. Herr Schu­chardt von der CDU ist wie­der in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit und das Nichts­tun sei­nes bis­he­ri­gen Stadt­rats­da­seins zurück­ge­kehrt. Der Spuk ist vor­bei, man könn­te auch von fau­lem Zau­ber spre­chen. (mehr …)

Krieg ist sexy

Ich bin zor­nig. Zor­nig und trau­rig zugleich.

Mei­ne Gene­ra­ti­on hat den letz­ten Welt­krieg nicht mit­er­lebt. Ich dan­ke mei­nem Schick­sal dafür, dass das so ist. Aber ich habe oft genug die Erzäh­lun­gen der Groß­el­tern und Eltern gehört. Mein Groß­va­ter väter­li­cher­seits irgend­wo an der Ost­front, mei­ne Groß­mut­ter mit 6 Kin­dern und der letz­ten Habe auf einem Hand­wa­gen auf dem Weg aus Bres­lau her­aus. Der Groß­va­ter mei­ner Freun­din, der Jah­re nach Ende des Krie­ges als gebro­che­ner Mann aus rus­si­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft zurück­kehr­te und dem man als ers­tes bei­de erfro­re­ne Bei­ne ampu­tier­te.

Und da ist auch noch Dres­den. Die Mut­ter mei­ner lang­jäh­ri­gen Lebens­ge­fähr­tin erzähl­te oft davon. Obwohl die Bom­ben­nacht Jahr­zehn­te her war, brach sie beim Erzäh­len jedes­mal wie­der in Trä­nen aus. Ihre eige­ne Mut­ter kam in die­ser Nacht um. Das bren­nen­de flüs­si­ge Phos­phor auf den Stra­ßen, das Geheul der Sire­nen, die Explo­sio­nen, irgend­wo ein Kel­ler unter Rui­nen, in den man sich ver­kroch. Tote auf den Stra­ßen, Men­schen, die es nicht mehr geschafft hat­ten. (mehr …)

Frei und wild

"Wegen ungüns­ti­ger Wit­te­rung fand die deut­sche Revo­lu­ti­on in der Musik statt."
(Kurt Tuchol­sky)

Wäh­rend bestimm­te Krei­se, deren Gewis­sen beim Tod von ein paar Hun­dert­tau­send Men­schen nicht ins Strau­cheln gerät, das Vier­te Reich vor­be­rei­ten, tobt der Kul­tur­kampf in Deutsch­land der­wei­len – um eine Band. Ich stel­le mir gera­de vor, wie die Freun­de des tota­li­tä­ren Über­wa­chungs­staa­tes in ihren Zir­keln sit­zen und nach­dem sie flei­ßig dar­an gear­bei­tet haben, wel­che Volks­wirt­schaft man in den Ruin trei­ben, wie man den nächs­ten Krieg anzet­teln oder wo man eine tol­le Frei­han­dels­zo­ne errich­ten könn­te, sich einen Cham­pa­gner auf­ma­chen, den es in kei­nem Dis­coun­ter der Welt zu kau­fen gibt und eini­ge Pau­sen­wit­ze rei­ßen. Mög­li­cher­wei­se auch dar­über, dass sich die selbst­er­nann­te revo­lu­tio­nä­re Eli­te in einem der ein­fluss­reichs­ten Län­der der Welt gera­de an Frei.Wild abar­bei­tet. Das schal­len­de Geläch­ter dürf­te bis an die Ohren der Body­guards vor den Hin­ter­zim­mer­tü­ren drin­gen. (mehr …)

Nicht links, nicht rechts

Es muss irgend­wann 2008 gewe­sen sein, als ich mich für die Pira­ten zu inter­es­sie­ren begann. Damals fiel mir ins­be­son­de­re die — zu die­ser Zeit noch völ­lig unstrit­ti­ge — Pira­ten­lo­sung "Wir sind nicht links oder rechts, son­dern vorn!" auf. Mir schien da eine Bür­ger­rechts­be­we­gung in Gestalt einer Anti-Par­tei­en-Par­tei her­an­zu­wach­sen, die etwas völ­lig Neu­es ver­su­chen woll­te. Als über­zeug­ter Nicht­wäh­ler fühl­te ich mich von der Poli­tik der eta­blier­ten Par­tei­en zutiefst abge­stos­sen und sah die Demo­kra­tie auf einem Ast sit­zen, an dem kor­rup­te Poli­ti­ker, Lob­by­is­ten, Über­wa­chungs­fa­na­ti­ker und mono­po­li­sier­te Unter­neh­men bestän­dig sägen. Ich glau­be, mei­ne Hoff­nung, dass mit den Pira­ten eine Kraft auf der poli­ti­schen Büh­ne erschie­nen war, die das bestehen­de Sys­tem kon­se­quent hin­ter­fra­gen und von innen her­aus angrei­fen und ver­än­dern woll­te, wur­de von vie­len Men­schen in die­sem Land geteilt. Die Par­tei wuchs rasant und ich selbst trat ein Jahr spä­ter ein und enga­gier­te mich ab die­ser Zeit aktiv in mei­nem Kreis- und Lan­des­ver­band. Die Umfra­ge­wer­te und Wahl­er­geb­nis­se waren bom­bas­tisch, die Pira­ten zogen in kur­zer Zeit in vier Lan­des­par­la­men­te ein.  (mehr …)