Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Profilschärfung

Gedan­ken zum aktu­el­len Zustand der Pira­ten­par­tei

Pro­fil­schär­fung ist ein böses Wort. Es klingt irgend­wie so neo­li­be­ral. Es ist das Wort der Unter­neh­mens­be­ra­tun­gen und Mar­ke­ting­stra­te­gen. Man denkt unwill­kür­lich an schein­hei­li­ge poli­ti­sche Tak­ti­ken, um Wäh­ler hin­ters Licht zu füh­ren oder an dubio­se Wer­be­feld­zü­ge, um Kon­su­men­ten um ihr Geld zu betrü­gen. Pro­fil­schär­fung kommt gleich hin­ter Leis­tungs­ge­sell­schaft und Mar­ken­kern.

Nichts­des­to­trotz hat die Pira­ten­par­tei der­zeit kaum etwas so sehr nötig wie die Schär­fung ihres poli­ti­schen Pro­fils.

Ich wer­fe einen Blick in mei­ne heu­ti­ge Twit­ter-Time­li­ne und fil­te­re den offi­zi­el­len Account der Pira­ten­par­tei her­aus. Unter den ers­ten 20 Tweets, die ich durch­blät­te­re, trans­por­tie­ren 6 das The­ma IDAHOT und Homo­pho­bie, 5 pro­pa­gie­ren die Frei­ga­be von Hanf, es folgt die Miß­hand­lung von Flücht­lin­gen in Poli­zei­ge­wahr­sam, mit dem The­ma Vor­rats­da­ten­spei­che­rung beschäf­ti­gen sich 2 Tweets, Schlag­zei­len und Neu­ig­kei­ten zum Über­wa­chungs- und Geheim­dienst­skan­dal fin­de ich — zumin­dest zu die­sem Zeit­punkt — unter den Top Twen­ty nicht.

Es gab mal eine Zeit, da war es so klar wie Kloß­brü­he, wofür die Pira­ten ste­hen: die Frei­heit des Inter­nets, Kampf gegen Über­wa­chung, Schutz der Pri­vat­sphä­re, Reform des Urhe­ber­rechts, Trans­pa­renz in Poli­tik und Ver­wal­tung, Bür­ger­rech­te und Bür­ger­be­tei­li­gung, Offen­le­gung von Kor­rup­ti­on und Macht­miss­brauch der Eta­blier­ten. Zu die­sem Zeit­punkt weh­ten über­all im Land die oran­ge­nen Fah­nen und zwar so hef­tig, dass es den ande­ren Par­tei­en Angst und Ban­ge wur­de. Es gab mal eine Zeit, da betrach­te­ten sich die Pira­ten als ver­nünf­ti­ge und prag­ma­ti­sche Alter­na­ti­ve zur Schein­hei­lig­keit der ver­krus­te­ten Ideo­lo­gi­en und über­kom­me­nen Polit­kon­zep­te, die den Her­aus­for­de­run­gen der digi­ta­len Gesell­schaft nicht gewach­sen sind. Die Men­schen in die­sem Land setz­ten gro­ße Hoff­nun­gen in die neue poli­ti­sche Kraft, ins­be­son­de­re die, die Poli­tik nur noch als Beläs­ti­gung ver­stan­den und der Demo­kra­tie den Rücken gekehrt hat­ten. (mehr …)

Die Harry-Lauer-Show

Sich auf die offi­zi­el­le Mai­ling­lis­te der PIRATEN Thü­rin­gen zu ver­ir­ren, ist unge­fähr so, als ob man in einer Groß­stadt nichts­ah­nend ein öffent­li­ches Pis­soir betritt und in einem Hau­fen Schei­ße aus­rutscht. Der­je­ni­ge, der für die Scheiß­hau­fen ver­ant­wort­lich ist, heißt Harald Peters, lie­be­voll Har­ry genannt. Er ist der Troll der Thü­rin­ger Pira­ten und das schon seit meh­re­ren Jah­ren, ihr Alp­traum, ihre andau­ern­de Tole­ranz­übung, ihr Hass- und Lie­bes­ob­jekt zugleich. Immer dann, wenn die Mai­ling­lis­te mode­riert wur­de, ver­warn­te und sperr­te man ihn für unter­schied­lich lan­ge Zeit­räu­me oder warf ihn ganz von der Lis­te. Aber sobald die Sperr­zeit abge­lau­fen oder die Mai­ling­lis­te — durch Par­tei­tags­be­schluss — wie­der unmo­de­riert war — erschien auch Har­ry und stürz­te alles erneut ins Cha­os. Wäh­rend lang­jäh­ri­ge und ernst­haft poli­tisch arbei­ten­de Mit­glie­der des Lan­des­ver­ban­des ihr Lis­ten-Abo kün­dig­ten, die Mai­ling­lis­te ver­lie­ßen oder sie fort­an igno­rier­ten, war Har­ry die Kon­stan­te, die blieb. (mehr …)

Das Schuchardt-Phänomen

Einen Tag nach der Kom­mu­nal­wahl fah­re ich mei­nen täg­li­chen Arbeits­weg von Lobe­da ins Stadt­zen­trum — und rei­be mir die Augen. Kann das mög­lich sein? Qua­si über Nacht hat sich die Schwem­me an Schu­chardt-Pla­ka­ten, die in den letz­ten Wochen in fast uner­träg­li­cher Wei­se die gan­ze Stadt über­zo­gen hat, in Nichts auf­ge­löst. Herr Schu­chardt von der CDU ist wie­der in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit und das Nichts­tun sei­nes bis­he­ri­gen Stadt­rats­da­seins zurück­ge­kehrt. Der Spuk ist vor­bei, man könn­te auch von fau­lem Zau­ber spre­chen. (mehr …)

Krieg ist sexy

Ich bin zor­nig. Zor­nig und trau­rig zugleich.

Mei­ne Gene­ra­ti­on hat den letz­ten Welt­krieg nicht mit­er­lebt. Ich dan­ke mei­nem Schick­sal dafür, dass das so ist. Aber ich habe oft genug die Erzäh­lun­gen der Groß­el­tern und Eltern gehört. Mein Groß­va­ter väter­li­cher­seits irgend­wo an der Ost­front, mei­ne Groß­mut­ter mit 6 Kin­dern und der letz­ten Habe auf einem Hand­wa­gen auf dem Weg aus Bres­lau her­aus. Der Groß­va­ter mei­ner Freun­din, der Jah­re nach Ende des Krie­ges als gebro­che­ner Mann aus rus­si­scher Kriegs­ge­fan­gen­schaft zurück­kehr­te und dem man als ers­tes bei­de erfro­re­ne Bei­ne ampu­tier­te.

Und da ist auch noch Dres­den. Die Mut­ter mei­ner lang­jäh­ri­gen Lebens­ge­fähr­tin erzähl­te oft davon. Obwohl die Bom­ben­nacht Jahr­zehn­te her war, brach sie beim Erzäh­len jedes­mal wie­der in Trä­nen aus. Ihre eige­ne Mut­ter kam in die­ser Nacht um. Das bren­nen­de flüs­si­ge Phos­phor auf den Stra­ßen, das Geheul der Sire­nen, die Explo­sio­nen, irgend­wo ein Kel­ler unter Rui­nen, in den man sich ver­kroch. Tote auf den Stra­ßen, Men­schen, die es nicht mehr geschafft hat­ten. (mehr …)

Frei und wild

"Wegen ungüns­ti­ger Wit­te­rung fand die deut­sche Revo­lu­ti­on in der Musik statt."
(Kurt Tuchol­sky)

Wäh­rend bestimm­te Krei­se, deren Gewis­sen beim Tod von ein paar Hun­dert­tau­send Men­schen nicht ins Strau­cheln gerät, das Vier­te Reich vor­be­rei­ten, tobt der Kul­tur­kampf in Deutsch­land der­wei­len – um eine Band. Ich stel­le mir gera­de vor, wie die Freun­de des tota­li­tä­ren Über­wa­chungs­staa­tes in ihren Zir­keln sit­zen und nach­dem sie flei­ßig dar­an gear­bei­tet haben, wel­che Volks­wirt­schaft man in den Ruin trei­ben, wie man den nächs­ten Krieg anzet­teln oder wo man eine tol­le Frei­han­dels­zo­ne errich­ten könn­te, sich einen Cham­pa­gner auf­ma­chen, den es in kei­nem Dis­coun­ter der Welt zu kau­fen gibt und eini­ge Pau­sen­wit­ze rei­ßen. Mög­li­cher­wei­se auch dar­über, dass sich die selbst­er­nann­te revo­lu­tio­nä­re Eli­te in einem der ein­fluss­reichs­ten Län­der der Welt gera­de an Frei.Wild abar­bei­tet. Das schal­len­de Geläch­ter dürf­te bis an die Ohren der Body­guards vor den Hin­ter­zim­mer­tü­ren drin­gen. (mehr …)