Franks SchreibBlog
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Das Schuchardt-Phänomen

Einen Tag nach der Kommunalwahl fahre ich meinen täglichen Arbeitsweg von Lobeda ins Stadtzentrum – und reibe mir die Augen. Kann das möglich sein? Quasi über Nacht hat sich die Schwemme an Schuchardt-Plakaten, die in den letzten Wochen in fast unerträglicher Weise die ganze Stadt überzogen hat, in Nichts aufgelöst. Herr Schuchardt von der CDU ist wieder in die Bedeutungslosigkeit und das Nichtstun seines bisherigen Stadtratsdaseins zurückgekehrt. Der Spuk ist vorbei, man könnte auch von faulem Zauber sprechen. (mehr …)

Krieg ist sexy

Ich bin zornig. Zornig und traurig zugleich.

Meine Generation hat den letzten Weltkrieg nicht miterlebt. Ich danke meinem Schicksal dafür, dass das so ist. Aber ich habe oft genug die Erzählungen der Großeltern und Eltern gehört. Mein Großvater väterlicherseits irgendwo an der Ostfront, meine Großmutter mit 6 Kindern und der letzten Habe auf einem Handwagen auf dem Weg aus Breslau heraus. Der Großvater meiner Freundin, der Jahre nach Ende des Krieges als gebrochener Mann aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte und dem man als erstes beide erfrorene Beine amputierte.

Und da ist auch noch Dresden. Die Mutter meiner langjährigen Lebensgefährtin erzählte oft davon. Obwohl die Bombennacht Jahrzehnte her war, brach sie beim Erzählen jedesmal wieder in Tränen aus. Ihre eigene Mutter kam in dieser Nacht um. Das brennende flüssige Phosphor auf den Straßen, das Geheul der Sirenen, die Explosionen, irgendwo ein Keller unter Ruinen, in den man sich verkroch. Tote auf den Straßen, Menschen, die es nicht mehr geschafft hatten. (mehr …)

Frei und wild

„Wegen ungünstiger Witterung fand die deutsche Revolution in der Musik statt.“
(Kurt Tucholsky)

Während bestimmte Kreise, deren Gewissen beim Tod von ein paar Hunderttausend Menschen nicht ins Straucheln gerät, das Vierte Reich vorbereiten, tobt der Kulturkampf in Deutschland derweilen – um eine Band. Ich stelle mir gerade vor, wie die Freunde des totalitären Überwachungsstaates in ihren Zirkeln sitzen und nachdem sie fleißig daran gearbeitet haben, welche Volkswirtschaft man in den Ruin treiben, wie man den nächsten Krieg anzetteln oder wo man eine tolle Freihandelszone errichten könnte, sich einen Champagner aufmachen, den es in keinem Discounter der Welt zu kaufen gibt und einige Pausenwitze reißen. Möglicherweise auch darüber, dass sich die selbsternannte revolutionäre Elite in einem der einflussreichsten Länder der Welt gerade an Frei.Wild abarbeitet. Das schallende Gelächter dürfte bis an die Ohren der Bodyguards vor den Hinterzimmertüren dringen. (mehr …)

Nicht links, nicht rechts

Es muss irgendwann 2008 gewesen sein, als ich mich für die Piraten zu interessieren begann. Damals fiel mir insbesondere die – zu dieser Zeit noch völlig unstrittige – Piratenlosung „Wir sind nicht links oder rechts, sondern vorn!“ auf. Mir schien da eine Bürgerrechtsbewegung in Gestalt einer Anti-Parteien-Partei heranzuwachsen, die etwas völlig Neues versuchen wollte. Als überzeugter Nichtwähler fühlte ich mich von der Politik der etablierten Parteien zutiefst abgestossen und sah die Demokratie auf einem Ast sitzen, an dem korrupte Politiker, Lobbyisten, Überwachungsfanatiker und monopolisierte Unternehmen beständig sägen. Ich glaube, meine Hoffnung, dass mit den Piraten eine Kraft auf der politischen Bühne erschienen war, die das bestehende System konsequent hinterfragen und von innen heraus angreifen und verändern wollte, wurde von vielen Menschen in diesem Land geteilt. Die Partei wuchs rasant und ich selbst trat ein Jahr später ein und engagierte mich ab dieser Zeit aktiv in meinem Kreis- und Landesverband. Die Umfragewerte und Wahlergebnisse waren bombastisch, die Piraten zogen in kurzer Zeit in vier Landesparlamente ein.  (mehr …)

Alle Jahre wieder…

Einige Gedanken zum plakativen Schwachsinn

Noch nie zuvor in meinem Leben war ich so in den Wahlkampf einer Partei involviert wie in diesen Tagen. Als eher zynischer Beobachter des Wahltheaters der etablierten Parteien waren deren Kampagnen für mich immer so überzeugend und nachvollziehbar gewesen wie Erntenachrichten aus Nordkorea. Nun bin ich seit vier Jahren Pirat, stehe selbst an Infoständen, rede mit frustrierten und politikerverdrossenen Bürgern, versuche als ehemaliger Nichtwähler Leute zu überreden doch zur Wahl zu gehen und opfere ganze Abende, um mit Kabelbindern in der Hand durch Jena zu ziehen und Plakate an den Lichtmasten dieser Stadt aufzuhängen. Ich tue das mit einem gewissen ungesunden Maß an Idealismus, aber der zynische Beobachter in mir hat sich nicht in Luft aufgelöst und grinst so frech wie eh und je. (mehr …)