Franks SchreibBlog
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Antifa in die Kartoffelernte

„Antifa auf dem Land ist undogmatisch.“

In meiner Heimatstadt sind interessante Plakate aufgetaucht. Die Antifa macht mobil. Sie möchte ihren „komfortablen Kiez“ verlassen und „die Käffer fluten“. Das Aufbranden der Revolution in der verabscheuungswürdigen Provinz steht unter dem Slogan Antifa bleibt Landarbeit. Zu viel Provinz möchte man sich dabei aber nicht zumuten, denn für die hehren Ziele demonstriert man in Gera, einer Stadt mit 114000 Einwohnern. Ausgangspunkt ist eine Art ideologischer Neid auf die Rechte, denn deren „Akteur*innen ziehen bewusst in die Provinz, schaffen und stärken Strukturen und können den öffentlichen Raum, das Klima eines Provinznestes entscheidend beeinflussen, oft sogar bestimmen.“ Damit man selbst das „Klima eines Provinznestes“ beeinflusst, muss man unbedingt „Deutungshoheiten gewinnen“.

Wenn es um den „Kampf ums Ganze“ geht, kommen Menschen nur in zwei Ausprägungen vor, als Aktivist*innen und linke „Agierende“ auf der einen Seite und Neonazis auf der anderen Seite. Da die linksradikale Szene auf dem Dorf faktisch nicht vorhanden ist, sind alle anderen, die dort übrig bleiben, selbstredend Nazis. Sollte jemand noch Zweifel an der pseudointellektuellen Verachtung haben, die über die Landbevölkerung ausgekippt wird, so überzeugt das Foto auf dem Plakat schnell vom Gegenteil. Es zeigt ein paar Schweine, die sich um einen dreckigen Trog scharen. Achja, das Unterbewusstsein ist doch eine feine Sache und Bilder sprechen nicht selten eine deutlichere Sprache als alle Manifeste zusammen. Es ist ja nicht so, dass die Antifa nicht wandlungsfähig wäre. Als man AfD-Höcke in seinem „Scheiß Drecksnest“ Bornhagen einen Besuch abstattete, wollte man noch „Dorfgemeinschaft zerstören“ und die „Landflucht fördern“. Jetzt möchte man immerhin „Strukturen stärken“, wobei … bei näherem Hinsehen … klar wird, dass hier keineswegs die ländliche Infrastruktur und das Zusammenleben der Landbewohner gemeint sind, sondern die Netzwerke ortsansässiger Linksradikaler. Der Kontakt zur Bevölkerung auf dem Land beschränkt sich auf Provokation, Demonstration und sogenannte „Strafexpeditionen“. Das schafft natürlich viel Vertrauen und Sympathie und erleichtert die Überzeugungsarbeit. (mehr …)

Der Kyffhäuser und die Ideologen

Der Kyffhäuser ist ein kleines, aber nichtsdestotrotz romantisches Mittelgebirge an der nördlichen Grenze Thüringens, im Südosten des Harzes gelegen. Er erstreckt sich nur über ca. 70 km2 und erreicht seine maximale Höhe knapp über 470 m. Scharen von Besuchern werden nicht nur durch die schön zu erwandernde waldreiche Natur angezogen, sondern vor allem durch das Kyffhäuser-Denkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I., das 1890-1896 auf dem Standort der mittelalterlichen Burg Kyffhausen (von der auch noch Ruinen und ein begehbarer Bergfried erhalten sind) errichtet worden ist. Den beeindruckenden Ausmaßen und der Architektur kann sich selbst der nüchterne und nicht monarchistisch gesinnte Besucher kaum entziehen. Ich bin in größeren zeitlichen Abständen immer wieder gern auf dem Kyffhäuser gewesen, so auch an einem diesigen und sehr kalten Oktobertag 2015. Besonders skurril sind die historisch verbürgten Aktivitäten von Ideologen jedweder Couleur, sich das Monument der eigenen Weltanschauung entsprechend einzuverleiben und passend zu machen. Am Kyffhäuser, soviel steht fest, haben sich selbsternannte Weltverbesserer von ganz rechts bis ganz links regelrecht abgearbeitet. Ich möchte behaupten, ohne dem Denkmal in seiner wesentlichen Ausstrahlung, seiner Anziehungskraft und Gestalt etwas anhaben zu können. (mehr …)

Abgesang auf Jenapolis

Das wichtigste unabhängige Nachrichtenportal für Jena und seine Umgebung hat sich selbst so oft verändert, bis es faktisch nicht mehr zu benutzen ist. Das ist das bedauerliche Fazit, das man nach erneuten Umgestaltungen leider ziehen muss.

Gern hätte ich die folgenden Gedanken in einem Kommentar auf Jenapolis selbst untergebracht. Aber leider wurde die Kommentarfunktion gesperrt und ist nur noch für der Redaktion bekannte und angemeldete Nutzer mit Klarnamen zugänglich. Die Kontroverse zu Klarnamen auf Jenapolis gab es schon mehrfach, das Ergebnis war jedesmal dasselbe. Es hat kaum noch jemand kommentiert und der Meinungsaustausch kam fast vollständig zum Erliegen. Anonymität ist ein wichtiger Aspekt der Meinungsfreiheit im Internet, erstrecht in diesen Tagen, wo der allzu aufmüpfige oder gar politisch inkorrekt denkende Bürger mit Strafanzeigen, Benachteiligungen, Entlassung oder Shitstorms von selbsternannten Blockwarts rechnen muss. Mit Transparenz – wie von Jenapolis behauptet – hat das wenig bis gar nichts zu tun. Transparenz kann und muss man von Staat, Politik und Verwaltung erwarten dürfen, die Sichtbarmachung der Privatsphäre und der Zugriff darauf stehen dagegen auf einem anderen Blatt. (mehr …)

Zahlen oder gehen!

Die „touristisch aufgewertete“ Leuchtenburg

Seit fast 800 Jahren thront die Leuchtenburg hoch über dem kleinen thüringischen Städtchen Kahla und macht ihrem Namen alle Ehre. Ihre lange Geschichte hat die Burg nicht unangetastet gelassen. Belagerungen, Brände, Erstürmung durch die Wettiner, Zufluchtsort, Verwaltungs- und Gerichtsmittelpunkt, Umbau in ein Zucht-, Armen- und Irrenhaus, erste Jugendherberge Thüringens, Treffpunkt von Freigeistern und Liebhabern der Freikörperkultur, touristisches Ausflugsziel und beliebter Ort für Mittelalterfeste. Nach der Wende wurde zudem bekannt, dass die Burg im Falle von Aufständen in der damaligen DDR als Internierungslager für Regimegegner dienen sollte.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass auf der Internetseite der Stadt Kahla die Geschichte der Burg mit dem Jahre 1969 endet und die dort präsentierte Fotoschau die Umbauten der letzten Zeit beharrlich ignoriert. 2007 nämlich wurde die Burg an die neu gegründete Stiftung Leuchtenburg verkauft und damit privatisiert. Die vielen überschwänglichen Beteuerungen eines guten Zwecks und die Betonung der Gemeinnützigkeit der Stiftung können nicht darüber hinwegtäuschen, dass damit ein weiteres wertvolles Stück Gemein- (früher Volks-)eigentum in private Hände gewandert ist. Während vor dem Verkauf jahrzehntelang kein müder Euro für einen grundlegenden Erhalt oder gar eine Sanierung der Burganlage zur Verfügung stand und die Burg mehr oder weniger ungenutzt langsam verfiel, floß nach dem Verkauf – oh Wunder! – das Geld in rauhen Mengen. Elf Millionen Euro wurden in ein Umbauprojekt investiert, davon allein 9 Millionen aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) des Thüringer Wirtschaftsministeriums. Weitere 2,2 Millionen Euro stellte das Ministerium für die Ausstattung der Porzellanwelten-Ausstellung zur Verfügung. Ja, wenn Geld des Steuerzahlers ungehindert in private Taschen rauschen kann, gibt es da kein Halten, wo früher nicht mal ein Notgroschen aufzutreiben war. Das Ganze nennt man dann „Modernisierung“ und „touristische Aufwertung“ und lobt es in den allerhöchsten Tönen. Schließlich gibt es sogar eine „Landestourismuskonzeption 2011-2015“. Ob man dieser Konzeption folgend noch weitere historische Kleinode Thüringens verschleudert, wäre eine interessante Fragestellung. In einem Artikel der „Welt“ heißt es schon 2005, dass Thüringen bereits die Hälfte seiner Kultur-Immobilien privatisiert hat. Ausverkauf des Kulturerbes. Natürlich nur zum Besten der schutzwürdigen Güter, denn der Staat hat für solche Nebensächlichkeiten kein Geld und ist froh, wenn er den Kram loswird.

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