Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Hopfen und Malz verloren

42 Par­tei­en tre­ten zur Bun­des­tags­wahl 2017 an. Und was macht die deut­sche Fern­seh­na­ti­on? Sie zieht sich begie­rig ein "Duell" der bei­den Kanz­ler­kan­di­da­ten der Regie­rungs­ko­ali­ti­on rein, die seit Jah­ren am Ruder ist und die man eigent­lich direkt für das ver­ant­wort­lich machen müss­te, was schief­läuft. Was erwar­tet man da zu sehen und zu hören? Was Frau Mer­kel zum Früh­stück isst? Wie es beim Wan­der­ur­laub in den Ber­gen war? Oder von Herrn Schulz, was er mit sei­ner gan­zen Koh­le aus all den fet­ten EU-Par­la­ments­jah­ren so anstellt? Ich mei­ne, außer grin­send wie ein Kas­per durchs Land zu fah­ren und für "Gerech­tig­keit" und eine "Reform der EU" zu wer­ben? Gleich­zei­tig mei­nen 76 % der Bun­des­bür­ger, dass die Wahl eigent­lich schon ent­schie­den sei, 60 % glaubt oben­drein nicht, dass sich die meis­ten Deut­schen der­zeit einen Wech­sel in der Regie­rung wün­schen.1 Obwohl sich fast die Hälf­te gleich­zei­tig noch nicht ent­schie­den hat, wen sie denn wäh­len will, scheint das im Kopf kei­nen logi­schen Wider­spruch auf­zu­ma­chen. Irgend­wo habe ich auch gele­sen, dass ein nicht uner­heb­li­cher Anteil der Wäh­ler denkt, sie wür­den bei der Bun­des­tags­wahl auch den Kanz­ler direkt wäh­len.2 Was ist nur aus dem Volk der Dich­ter und Den­ker gewor­den?

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  1. sie­he http://www.theeuropean.de/juergen-fritz/11819-martin-schulz-der-multimilionaer []
  2. Quel­le hab ich auf die Schnel­le lei­der nicht mehr gefun­den. []

Verrannt.

Ein Kom­men­tar zum Ter­ror­an­schlag von Bar­ce­lo­na

Lan­ge habe ich über­legt, ob ich etwas dazu schrei­be. Da geis­tert die­ses Foto durch die Netz­wer­ke. Ein totes Kind liegt auf der Stra­ße in Bar­ce­lo­na. Etwas ent­fernt dane­ben eine Frau, viel­leicht sei­ne Mut­ter. Mög­li­cher­wei­se ist es der bis­her ver­miss­te aus­tra­li­sche Jun­ge, von dem jetzt in den Medi­en die Rede ist. Er war sie­ben Jah­re alt. Es ist ent­setz­lich. Nein, ich kann die­ses Foto nicht ver­lin­ken oder ver­brei­ten, ich ver­mag es kaum anzu­se­hen. Ich habe selbst eine klei­ne Toch­ter. Das Leid, ver­ur­sacht von reli­giö­sen Fana­ti­kern, ist unvor­stell­bar. Wie kann man sich jemals an so etwas gewöh­nen? Die­se Beschwich­ti­gun­gen, die­se Beru­hi­gungs­ap­pel­le, die­se Beteue­run­gen und die­ses Igno­rie­ren der Rea­li­tät, all das ver­ur­sacht mir Übel­keit. Eben­so die vor­ge­stanz­ten Bei­leids­flos­keln der Poli­ti­ker, die ein­ge­üb­ten betrof­fe­nen Gesich­ter, die State­ments vor den Mikro­fo­nen und in den sozia­len Netz­wer­ken. Habt ihr die­sen Jun­gen nicht gese­hen? Wisst ihr auch nichts von dem 35-jäh­ri­gen Vater, der sich vor sei­ne zwei Kin­der gewor­fen und sie mit sei­nem eige­nen Tod geret­tet hat? War­um tre­tet ihr nicht ein paar Schrit­te zurück, senkt den Kopf und hal­tet den Mund? Wie kann man dazu etwas Belie­bi­ges schwa­feln wol­len? Seid ihr von Sin­nen?

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Jägermeister und der Wahlkampf

Letz­tes Wochen­en­de war ich mit Freun­den auf dem Son­ne­Mond­Ster­ne-Fes­ti­val an der Blei­loch­tal­sper­re bei Saal­burg und habe mich dort zusam­men mit 35.000 ande­ren Par­ty-Peop­le an elek­tro­ni­scher Musik erfreut. Es gäbe eine gan­ze Rei­he span­nen­der Fra­gen, die man im Zusam­men­hang mit die­ser #smsxxi dis­ku­tie­ren könn­te. Zum Bei­spiel wie lan­ge man in Gum­mi­stie­feln tan­zen kann, war­um es die­sen Som­mer eigent­lich immer und über­all reg­nen muss, wenn man mal was Wich­ti­ges vor­hat oder was ein Dino­sau­ri­er wie ich über­haupt auf einem Elek­tro-Fes­ti­val mit Durch­schnitts­al­ter 20 zu suchen hat, hehe ... Statt­des­sen möch­te ich mich jedoch ers­tens dem The­ma Jäger­meis­ter und zwei­tens Wahl­pla­ka­ten wid­men. Was die mit­ein­an­der zu tun haben? Mehr als man denkt.

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Der Öko-Bonus für Radfahrer

Ich fah­re eigent­lich ganz gern mal Rad. Aller­dings nut­ze ich es weni­ger als all­täg­li­ches Fort­be­we­gungs­mit­tel, son­dern mehr in mei­ner Frei­zeit. Aus orga­ni­sa­to­ri­schen und beruf­li­chen Grün­den bin ich täg­lich mehr mit dem Auto unter­wegs. Had­mut Danisch berich­tet in einem aktu­el­len Blog­bei­trag von sei­nen eher unan­ge­neh­men Erleb­nis­sen mit Ber­li­ner Rad­fah­rern. Seit gerau­mer Zeit mache ich in mei­ner Hei­mat­stadt Jena ähn­lich dras­ti­sche Erfah­run­gen. Mir spukt das Gan­ze desöf­te­ren im Kopf her­um, da es eini­ge offe­ne Fra­gen gibt, die schein­bar nie­mand beant­wor­ten möch­te — etwa die, ob Rad­fah­rer sich in Deutsch­land nicht (mehr) an die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung hal­ten müs­sen.

Die Pro­ble­me gin­gen für mich los, als ich vor etwa 2 Jah­ren gegen acht Uhr abends mit einem Rad­fah­rer kol­li­dier­te, der unge­bremst und ohne sich zu ver­ge­wis­sern zwi­schen zwei Hecken (für Jena­er: vorm Volks­haus) direkt vor mei­nem Auto auf die Stra­ße fuhr. Ich ging auf die Eisen, erwisch­te ihn trotz­dem, aber glück­li­cher­wei­se nicht beson­ders schwer­wie­gend. Mein Herz­schlag ras­te, ich stieg aus, stell­te fest, dass dem Mann nicht viel pas­siert war, aber umso mehr mei­nem Auto. Da er sämt­li­che Regeln des Stra­ßen­ver­kehrs miss­ach­tet hat­te, war für mich klar, dass hier eine poli­zei­li­che Unfall­auf­nah­me unab­ding­bar war. Also fuhr ich mein Auto zur Sei­te, um den Ver­kehr nicht zu blo­ckie­ren. Als ich aus­stieg und mich umdreh­te, war der Rad­fah­rer weg. Die Poli­zei, die ich anrief, hat­te kei­ne Lust sich damit zu befas­sen. Ich könn­te ja auf die Dienst­stel­le kom­men, um Anzei­ge zu erstat­ten. Auf dem Blech- und Lack­scha­den am Auto blieb ich sel­ber sit­zen.

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Gender-(Film)Kunst

Lie­be Leser, sicher kennt ihr die­sen Augen­blick. Ihr schaut im Fern­se­hen den Tat­ort und nach gut der Hälf­te fällt euch auf der Strich­lis­te, die ihr mit­führt, auf, dass im Film viel mehr Män­ner auf­tre­ten als Frau­en: der Kom­mis­sar, die Poli­zis­ten, der Taxi­fah­rer, die Ein­bre­cher, der Mör­der, der Rich­ter ... tat­säch­lich, alles Män­ner. Empört springt ihr auf und nehmt euch vor, end­lich mal eine Online-Peti­ti­on auf change.org zu star­ten, die mehr Frau­en in deut­schen Fil­men for­dert! Die­ser aus­ge­mach­te Skan­dal, den nun end­lich — end­lich! — Die Zeit publik macht, brach­te schon immer die Mehr­heit der deut­schen Fern­seh­zu­schau­er um den Schlaf. Und sol­che grund­sätz­li­chen Fra­gen wie: Was haben Män­ner über­haupt im Kin­der­fern­se­hen zu suchen?1 Gut, dass es mal jemand aus­spricht! Dass es eine Pres­se­kon­fe­renz dazu gibt! "Und die Ver­ant­wort­li­chen? Zucken die Schul­tern." Das muss man sich ein­mal vor­stel­len! Die­ser Zustand ist "erschre­ckend" und "unbe­frie­di­gend" und macht "trau­rig". Wenn sich da nicht bald etwas ändert, dann ist eine Quo­te — die ja gar kei­ner will — "das aller­letz­te Mit­tel". Aber auch mit mehr jun­gen, wei­ßen Frau­en ist es bei­lei­be nicht getan. Denn wenn es die gibt, dann "muss es kon­se­quen­ter­wei­se auch dicke Frau­en, häss­li­che Frau­en, alte Frau­en, böse Frau­en oder Frau­en mit ganz unter­schied­li­chen sozio­kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den geben". Aber für die "Audio­vi­su­el­le Diver­si­tät" reicht das trotz­dem nicht. "Auf der Bild­flä­che feh­len bis­lang völ­lig Men­schen, die sich der binä­ren Geschlech­ter­vor­stel­lung ent­zie­hen." Genau. Mutig haben For­scher (viel­leicht bes­ser Forscher_Innen*) her­aus­ge­fun­den, was uns schon immer bei deut­schen Film­pro­duk­tio­nen gefehlt hat. Glück­wunsch. Da hat sich doch die Gen­der­for­schung gelohnt. (mehr …)


  1. http://www.zeit.de/kultur/film/2017–07/geschlechtervielfalt-film-fernsehen-studie-uni-rostock []