Franks SchreibBlog
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Die formatierte Stadt

War­um ein Gestal­tungs­hand­buch Jena ärmer macht

Die Deut­schen sind für ihre über­trie­be­ne Ord­nungs- und Rege­lungs­wut berüch­tigt. Dabei wird nicht sel­ten das Gegen­teil von dem bewirkt, was man vor­gibt zu wol­len. So hat sich die Stadt Jena eines schö­nen Tages ein soge­nann­tes Gestal­tungs­hand­buch ver­ord­net, die for­ma­tio jenen­sis.1 Der "Stan­dard für die Gestal­tung des öffent­li­chen Rau­mes" ist in "Kon­zept, Inhalt und Gestal­tung" ein Werk jenes Stadt­ar­chi­tek­ten, der mitt­ler­wei­le vie­len Jena­er Bür­gern ein Begriff sein dürf­te. Das Ansin­nen wur­de bereits am 18.09.2008 im Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss mit 6 Ja-Stim­men und 3 Ent­hal­tun­gen beschlos­sen2 und als fer­ti­ges Werk im Sep­tem­ber 2012 in einer Berichts­vor­la­ge dem Aus­schuss vor­ge­tra­gen.3 In der Vor­la­ge wird fest­ge­legt, dass das Gestal­tungs­hand­buch "als ver­wal­tungs­in­ter­ne Arbeits­grund­la­ge durch die zustän­di­gen Fach­be­rei­che und Eigen­be­trie­be genutzt wer­den" soll. Wie man an die­ser For­mu­lie­rung leicht erken­nen kann, wur­de damit den Stadt­rä­ten eine eigent­lich beschluss­wür­di­ge Vor­schrift für das Ver­wal­tungs­han­deln in eine Berichts­vor­la­ge gepackt und unter­ge­ju­belt.4

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  1. lat. for­ma­tio: Gestal­tung, Bil­dung []
  2. Vor­la­ge: 08/1331-BV []
  3. Vor­la­ge: 12/1625-BE []
  4. Berichts­vor­la­gen wer­den nicht beschlos­sen, son­dern nur zur Kennt­nis genom­men. Wie man dem Pro­to­koll der Aus­schuss­sit­zung vom 06.09.2012 ent­neh­men kann, erzeug­te die Berichts­vor­la­ge kei­ner­lei Dis­kus­si­ons­be­darf. Die Ver­wal­tung kün­dig­te zudem an, das Gestal­tungs­hand­buch als "Lose­blatt­samm­lung" fort­zu­füh­ren und dem Aus­schuss regel­mä­ßig Ergän­zun­gen und Ände­run­gen zur Kennt­nis­nah­me vor­zu­le­gen. Wie man heu­te weiß, liegt das Gestal­tungs­hand­buch nun als gebun­de­ner Teil der "Schrif­ten zur Stadt­ent­wick­lung Nr. 2 Stand 2013" vor und ent­ge­gen der Ankün­di­gung wur­de seit­dem dazu auch nichts mehr vor­ge­stellt. []

Hopfen und Malz verloren

42 Par­tei­en tre­ten zur Bun­des­tags­wahl 2017 an. Und was macht die deut­sche Fern­seh­na­ti­on? Sie zieht sich begie­rig ein "Duell" der bei­den Kanz­ler­kan­di­da­ten der Regie­rungs­ko­ali­ti­on rein, die seit Jah­ren am Ruder ist und die man eigent­lich direkt für das ver­ant­wort­lich machen müss­te, was schief­läuft. Was erwar­tet man da zu sehen und zu hören? Was Frau Mer­kel zum Früh­stück isst? Wie es beim Wan­der­ur­laub in den Ber­gen war? Oder von Herrn Schulz, was er mit sei­ner gan­zen Koh­le aus all den fet­ten EU-Par­la­ments­jah­ren so anstellt? Ich mei­ne, außer grin­send wie ein Kas­per durchs Land zu fah­ren und für "Gerech­tig­keit" und eine "Reform der EU" zu wer­ben? Gleich­zei­tig mei­nen 76 % der Bun­des­bür­ger, dass die Wahl eigent­lich schon ent­schie­den sei, 60 % glaubt oben­drein nicht, dass sich die meis­ten Deut­schen der­zeit einen Wech­sel in der Regie­rung wün­schen.1 Obwohl sich fast die Hälf­te gleich­zei­tig noch nicht ent­schie­den hat, wen sie denn wäh­len will, scheint das im Kopf kei­nen logi­schen Wider­spruch auf­zu­ma­chen. Irgend­wo habe ich auch gele­sen, dass ein nicht uner­heb­li­cher Anteil der Wäh­ler denkt, sie wür­den bei der Bun­des­tags­wahl auch den Kanz­ler direkt wäh­len.2 Was ist nur aus dem Volk der Dich­ter und Den­ker gewor­den?

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  1. sie­he http://www.theeuropean.de/juergen-fritz/11819-martin-schulz-der-multimilionaer []
  2. Quel­le hab ich auf die Schnel­le lei­der nicht mehr gefun­den. []

Verrannt.

Ein Kom­men­tar zum Ter­ror­an­schlag von Bar­ce­lo­na

Lan­ge habe ich über­legt, ob ich etwas dazu schrei­be. Da geis­tert die­ses Foto durch die Netz­wer­ke. Ein totes Kind liegt auf der Stra­ße in Bar­ce­lo­na. Etwas ent­fernt dane­ben eine Frau, viel­leicht sei­ne Mut­ter. Mög­li­cher­wei­se ist es der bis­her ver­miss­te aus­tra­li­sche Jun­ge, von dem jetzt in den Medi­en die Rede ist. Er war sie­ben Jah­re alt. Es ist ent­setz­lich. Nein, ich kann die­ses Foto nicht ver­lin­ken oder ver­brei­ten, ich ver­mag es kaum anzu­se­hen. Ich habe selbst eine klei­ne Toch­ter. Das Leid, ver­ur­sacht von reli­giö­sen Fana­ti­kern, ist unvor­stell­bar. Wie kann man sich jemals an so etwas gewöh­nen? Die­se Beschwich­ti­gun­gen, die­se Beru­hi­gungs­ap­pel­le, die­se Beteue­run­gen und die­ses Igno­rie­ren der Rea­li­tät, all das ver­ur­sacht mir Übel­keit. Eben­so die vor­ge­stanz­ten Bei­leids­flos­keln der Poli­ti­ker, die ein­ge­üb­ten betrof­fe­nen Gesich­ter, die State­ments vor den Mikro­fo­nen und in den sozia­len Netz­wer­ken. Habt ihr die­sen Jun­gen nicht gese­hen? Wisst ihr auch nichts von dem 35-jäh­ri­gen Vater, der sich vor sei­ne zwei Kin­der gewor­fen und sie mit sei­nem eige­nen Tod geret­tet hat? War­um tre­tet ihr nicht ein paar Schrit­te zurück, senkt den Kopf und hal­tet den Mund? Wie kann man dazu etwas Belie­bi­ges schwa­feln wol­len? Seid ihr von Sin­nen?

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Jägermeister und der Wahlkampf

Letz­tes Wochen­en­de war ich mit Freun­den auf dem Son­ne­Mond­Ster­ne-Fes­ti­val an der Blei­loch­tal­sper­re bei Saal­burg und habe mich dort zusam­men mit 35.000 ande­ren Par­ty-Peop­le an elek­tro­ni­scher Musik erfreut. Es gäbe eine gan­ze Rei­he span­nen­der Fra­gen, die man im Zusam­men­hang mit die­ser #smsxxi dis­ku­tie­ren könn­te. Zum Bei­spiel wie lan­ge man in Gum­mi­stie­feln tan­zen kann, war­um es die­sen Som­mer eigent­lich immer und über­all reg­nen muss, wenn man mal was Wich­ti­ges vor­hat oder was ein Dino­sau­ri­er wie ich über­haupt auf einem Elek­tro-Fes­ti­val mit Durch­schnitts­al­ter 20 zu suchen hat, hehe ... Statt­des­sen möch­te ich mich jedoch ers­tens dem The­ma Jäger­meis­ter und zwei­tens Wahl­pla­ka­ten wid­men. Was die mit­ein­an­der zu tun haben? Mehr als man denkt.

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Der Öko-Bonus für Radfahrer

Ich fah­re eigent­lich ganz gern mal Rad. Aller­dings nut­ze ich es weni­ger als all­täg­li­ches Fort­be­we­gungs­mit­tel, son­dern mehr in mei­ner Frei­zeit. Aus orga­ni­sa­to­ri­schen und beruf­li­chen Grün­den bin ich täg­lich mehr mit dem Auto unter­wegs. Had­mut Danisch berich­tet in einem aktu­el­len Blog­bei­trag von sei­nen eher unan­ge­neh­men Erleb­nis­sen mit Ber­li­ner Rad­fah­rern. Seit gerau­mer Zeit mache ich in mei­ner Hei­mat­stadt Jena ähn­lich dras­ti­sche Erfah­run­gen. Mir spukt das Gan­ze desöf­te­ren im Kopf her­um, da es eini­ge offe­ne Fra­gen gibt, die schein­bar nie­mand beant­wor­ten möch­te — etwa die, ob Rad­fah­rer sich in Deutsch­land nicht (mehr) an die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung hal­ten müs­sen.

Die Pro­ble­me gin­gen für mich los, als ich vor etwa 2 Jah­ren gegen acht Uhr abends mit einem Rad­fah­rer kol­li­dier­te, der unge­bremst und ohne sich zu ver­ge­wis­sern zwi­schen zwei Hecken (für Jena­er: vorm Volks­haus) direkt vor mei­nem Auto auf die Stra­ße fuhr. Ich ging auf die Eisen, erwisch­te ihn trotz­dem, aber glück­li­cher­wei­se nicht beson­ders schwer­wie­gend. Mein Herz­schlag ras­te, ich stieg aus, stell­te fest, dass dem Mann nicht viel pas­siert war, aber umso mehr mei­nem Auto. Da er sämt­li­che Regeln des Stra­ßen­ver­kehrs miss­ach­tet hat­te, war für mich klar, dass hier eine poli­zei­li­che Unfall­auf­nah­me unab­ding­bar war. Also fuhr ich mein Auto zur Sei­te, um den Ver­kehr nicht zu blo­ckie­ren. Als ich aus­stieg und mich umdreh­te, war der Rad­fah­rer weg. Die Poli­zei, die ich anrief, hat­te kei­ne Lust sich damit zu befas­sen. Ich könn­te ja auf die Dienst­stel­le kom­men, um Anzei­ge zu erstat­ten. Auf dem Blech- und Lack­scha­den am Auto blieb ich sel­ber sit­zen.

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