Franks SchreibBlog
Provokativ • Politisch • Persönlich • Polemisch

Jägermeister und der Wahlkampf

Letz­tes Wochen­en­de war ich mit Freun­den auf dem Son­ne­Mond­Ster­ne-Fes­ti­val an der Blei­loch­tal­sper­re bei Saal­burg und habe mich dort zusam­men mit 35.000 ande­ren Par­ty-Peop­le an elek­tro­ni­scher Musik erfreut. Es gäbe eine gan­ze Rei­he span­nen­der Fra­gen, die man im Zusam­men­hang mit die­ser #smsxxi dis­ku­tie­ren könn­te. Zum Bei­spiel wie lan­ge man in Gum­mi­stie­feln tan­zen kann, war­um es die­sen Som­mer eigent­lich immer und über­all reg­nen muss, wenn man mal was Wich­ti­ges vor­hat oder was ein Dino­sau­ri­er wie ich über­haupt auf einem Elek­tro-Fes­ti­val mit Durch­schnitts­al­ter 20 zu suchen hat, hehe ... Statt­des­sen möch­te ich mich jedoch ers­tens dem The­ma Jäger­meis­ter und zwei­tens Wahl­pla­ka­ten wid­men. Was die mit­ein­an­der zu tun haben? Mehr als man denkt.

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Der Öko-Bonus für Radfahrer

Ich fah­re eigent­lich ganz gern mal Rad. Aller­dings nut­ze ich es weni­ger als all­täg­li­ches Fort­be­we­gungs­mit­tel, son­dern mehr in mei­ner Frei­zeit. Aus orga­ni­sa­to­ri­schen und beruf­li­chen Grün­den bin ich täg­lich mehr mit dem Auto unter­wegs. Had­mut Danisch berich­tet in einem aktu­el­len Blog­bei­trag von sei­nen eher unan­ge­neh­men Erleb­nis­sen mit Ber­li­ner Rad­fah­rern. Seit gerau­mer Zeit mache ich in mei­ner Hei­mat­stadt Jena ähn­lich dras­ti­sche Erfah­run­gen. Mir spukt das Gan­ze desöf­te­ren im Kopf her­um, da es eini­ge offe­ne Fra­gen gibt, die schein­bar nie­mand beant­wor­ten möch­te — etwa die, ob Rad­fah­rer sich in Deutsch­land nicht (mehr) an die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung hal­ten müs­sen.

Die Pro­ble­me gin­gen für mich los, als ich vor etwa 2 Jah­ren gegen acht Uhr abends mit einem Rad­fah­rer kol­li­dier­te, der unge­bremst und ohne sich zu ver­ge­wis­sern zwi­schen zwei Hecken (für Jena­er: vorm Volks­haus) direkt vor mei­nem Auto auf die Stra­ße fuhr. Ich ging auf die Eisen, erwisch­te ihn trotz­dem, aber glück­li­cher­wei­se nicht beson­ders schwer­wie­gend. Mein Herz­schlag ras­te, ich stieg aus, stell­te fest, dass dem Mann nicht viel pas­siert war, aber umso mehr mei­nem Auto. Da er sämt­li­che Regeln des Stra­ßen­ver­kehrs miss­ach­tet hat­te, war für mich klar, dass hier eine poli­zei­li­che Unfall­auf­nah­me unab­ding­bar war. Also fuhr ich mein Auto zur Sei­te, um den Ver­kehr nicht zu blo­ckie­ren. Als ich aus­stieg und mich umdreh­te, war der Rad­fah­rer weg. Die Poli­zei, die ich anrief, hat­te kei­ne Lust sich damit zu befas­sen. Ich könn­te ja auf die Dienst­stel­le kom­men, um Anzei­ge zu erstat­ten. Auf dem Blech- und Lack­scha­den am Auto blieb ich sel­ber sit­zen.

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Gender-(Film)Kunst

Lie­be Leser, sicher kennt ihr die­sen Augen­blick. Ihr schaut im Fern­se­hen den Tat­ort und nach gut der Hälf­te fällt euch auf der Strich­lis­te, die ihr mit­führt, auf, dass im Film viel mehr Män­ner auf­tre­ten als Frau­en: der Kom­mis­sar, die Poli­zis­ten, der Taxi­fah­rer, die Ein­bre­cher, der Mör­der, der Rich­ter ... tat­säch­lich, alles Män­ner. Empört springt ihr auf und nehmt euch vor, end­lich mal eine Online-Peti­ti­on auf change.org zu star­ten, die mehr Frau­en in deut­schen Fil­men for­dert! Die­ser aus­ge­mach­te Skan­dal, den nun end­lich — end­lich! — Die Zeit publik macht, brach­te schon immer die Mehr­heit der deut­schen Fern­seh­zu­schau­er um den Schlaf. Und sol­che grund­sätz­li­chen Fra­gen wie: Was haben Män­ner über­haupt im Kin­der­fern­se­hen zu suchen?1 Gut, dass es mal jemand aus­spricht! Dass es eine Pres­se­kon­fe­renz dazu gibt! "Und die Ver­ant­wort­li­chen? Zucken die Schul­tern." Das muss man sich ein­mal vor­stel­len! Die­ser Zustand ist "erschre­ckend" und "unbe­frie­di­gend" und macht "trau­rig". Wenn sich da nicht bald etwas ändert, dann ist eine Quo­te — die ja gar kei­ner will — "das aller­letz­te Mit­tel". Aber auch mit mehr jun­gen, wei­ßen Frau­en ist es bei­lei­be nicht getan. Denn wenn es die gibt, dann "muss es kon­se­quen­ter­wei­se auch dicke Frau­en, häss­li­che Frau­en, alte Frau­en, böse Frau­en oder Frau­en mit ganz unter­schied­li­chen sozio­kul­tu­rel­len Hin­ter­grün­den geben". Aber für die "Audio­vi­su­el­le Diver­si­tät" reicht das trotz­dem nicht. "Auf der Bild­flä­che feh­len bis­lang völ­lig Men­schen, die sich der binä­ren Geschlech­ter­vor­stel­lung ent­zie­hen." Genau. Mutig haben For­scher (viel­leicht bes­ser Forscher_Innen*) her­aus­ge­fun­den, was uns schon immer bei deut­schen Film­pro­duk­tio­nen gefehlt hat. Glück­wunsch. Da hat sich doch die Gen­der­for­schung gelohnt. (mehr …)


  1. http://www.zeit.de/kultur/film/2017–07/geschlechtervielfalt-film-fernsehen-studie-uni-rostock []

Keine Lust auf Opposition

Die Auf­merk­sam­keits­span­ne für poli­ti­sche Ereig­nis­se ist kurz, selbst wenn die­se gra­vie­ren­de Aus­wir­kun­gen für alle haben. Neben der Ehe für alle und der gera­de hoch­ko­chen­den Pseu­do-Dis­kus­si­on über links­ex­tre­mis­ti­sche Gewalt ist daher das soge­nann­te Netz­durch­set­zungs­ge­setz schon wie­der im all­ge­mei­nen Rau­schen unter­ge­gan­gen. Nichts­des­to­trotz wird es am 1. Okto­ber in Kraft tre­ten und weit­rei­chen­de Aus­wir­kun­gen auf die grund­ge­setz­lich garan­tier­te Mei­nungs­frei­heit in die­sem Land haben — vor­aus­ge­setzt, es wird nicht vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt kas­siert. Letz­te­res ist nicht unwahr­schein­lich, da schon im Vor­feld bei einer Anhö­rung Mit­te Juni 8 von 10 Rechts­ex­per­ten das Gesetz als äußerst kri­tisch oder sogar ver­fas­sungs­wid­rig beur­teil­ten. Neben die­ser Ein­schät­zung gab es eine brei­te Front von netz­po­li­ti­schen, jour­na­lis­ti­schen und juris­ti­schen Akteu­ren, die gegen das Gesetz mobil­ge­macht hat­ten. Wie mitt­ler­wei­le jeder wis­sen soll­te, ver­pflich­tet das Netz­DG Unter­neh­men wie Face­book oder Twit­ter, soge­nann­te Hass­kom­men­ta­re und Fake­news zu löschen. Tun sie das nicht, dro­hen unver­hält­nis­mä­ßig hohe Geld­stra­fen. Was mit Hate­speech wirk­lich gemeint sein soll, bleibt dif­fus. Denn ers­tens waren bestimm­te Delik­te wie Volks­ver­het­zung oder Schmä­hung auch jetzt schon straf­bar, zwei­tens ist auch der weni­ger stil­vol­le, um nicht zu sagen rüde Aus­druck von eige­nen Mei­nun­gen und Emo­tio­nen mehr­fach durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zuguns­ten der Mei­nungs­frei­heit in einer Demo­kra­tie gewer­tet wor­den und drit­tens hat die jetzt schon geüb­te Pra­xis gezeigt, dass bestimm­te Hass­kom­men­ta­re (z.B. von Isla­mis­ten oder Links­ex­tre­mis­ten) außen vor blei­ben. Zudem ist immer wie­der die Ver­la­ge­rung von rechts­staat­li­chen Akti­vi­tä­ten (bspw. die Ent­schei­dung eines Gerichts) in eine Art Pri­vat­zen­sur kri­ti­siert wor­den. (mehr …)

Erfurt — Weimar — Jena

"Über­heb­lich­keit ist der sichers­te Weg zum Schei­tern." (Wil­liam But­ler Yeats)

Im klei­nen, aber sym­pa­thi­schen Bun­des­länd­chen Thü­rin­gen leben nur 2,1 Mio. Men­schen. Rund ein Fünf­tel davon kon­zen­triert sich auf die Städ­te Erfurt, Wei­mar und Jena, die (zusam­men mit Eisen­ach und Gera) an der Bun­des­au­to­bahn A4 auf­ge­reiht die thü­rin­gi­sche Städ­te­ket­te bil­den. In der Serie "Das neue Glück im Osten" befrag­te Die Zeit vor kur­zem mehr oder weni­ger pro­mi­nen­te Leu­te zu Erfurt. Die ers­ten bei­den Fra­gen lau­te­ten: Wer ist nei­disch auf Erfurt? und "Wor­auf ist Erfurt nei­disch?" Neid, gepaart mit Kon­kur­renz­den­ken und einer gehö­ri­gen Pri­se Arro­ganz und Grö­ßen­wahn ist nicht nur das Pro­blem von Erfurt, son­dern auch von Wei­mar und Jena, denen das Pro­vin­zi­el­le noch viel mehr als der Lan­des­haupt­stadt anhaf­tet. Ein­ge­bet­tet in den durch und durch länd­li­chen Raum eines eher unbe­deu­ten­den Bun­des­lan­des ist das Poten­ti­al, zu bedeu­ten­den Metro­po­len zu mutie­ren, lei­der gering. Die Fol­ge ist eine Art kom­mu­na­ler Min­der­wer­tig­keits­kom­plex, der — psy­cho­ana­ly­tisch gese­hen — zu Ersatz- und Über­sprungs­hand­lun­gen führt, die nicht sel­ten skur­ri­le und amü­san­te Züge anneh­men. Sehen wir uns doch mal eini­ge davon an. (mehr …)